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Happiness – German translation – מיכאל גורביץ'
מחזאי ובמאי

HAPPINESS

 

Ein Stück von Michael Gurevitch

                                                                                            

Übersetzung aus dem Hebräischen von Sharon Nuni, 2005

 

 


Die Personen (in der Reihenfolge ihres Auftritts):

Ein Fernsehtechniker/ ein Moderator

Vivi – eine junge Frau

Dr. Josef Eini – Kommentator

Dr. Mordechai Daltotkin – Kommentator

Shmuel Buganim – ein Mann im Publikum

Elisheva Buganim – seine Frau

Happy – Vivis Freund oder Mann

Der Vater – Happys Vater

Der Junge/ Der Engel

Der Kommandant – ein Kartenspieler

Plotnik – ein Kartenspieler

Der dritte Mann  – ein Kartenspieler

Anmerkung zu den Personen:
Der Schauspieler, der Plotnik darstellt, stellt auch Dr. Daltotkin dar.
Der Schauspieler, der den dritten Mann darstellt, stellt auch Dr. Eini dar.
Das ist die ironische Idee in Bild 9 und 10.

Das Stück spielt in einem dreistöckigem Wohnhaus und auf der Bühne.


(Die Bühne ist in die Tiefe in drei Teile geteilt, die durch der Trennwände geteilt werden. Jede Trennwand befindet sich auf einer Schiene, so dass diese nicht nur geschlossen werden können, sondern auch voreinander geschoben werden können. Dadurch kann schnell zwischen den einzelnen Bildern gewechselt werden.)

 

Erster Prolog

(Vivis Wohnzimmer. Auf dem Sofa sitzt der Fernsehtechniker und spielt mit der Fernbedienung. Die Fernsehbilder flimmern über sein Gesicht und man hört die Geräusche der wechselnden Fernsehsender.)

Der Techniker:          (spricht laut um den Fernseher zu übertönen)

Ich habe auch fast geheiratet, aber im letzten Moment ist sie davongelaufen. Und ich weiß bis heute nicht mal warum.

Sie hat mich fertig gemacht.
(Vivi tritt von der Küche ein. Sie trägt eine Schürze und trocknet einen Teller ab. Er dreht den Fernseher ab.)

Gut, ich habe verstanden.

 

Vivi:                            Und?

 

Der Techniker:         Der Fernseher ist in Ordnung, das Problem liegt an der Schüssel.

 

Vivi:                            Kann man das reparieren?

 

Der Techniker:          Man kann alles reparieren.

 

Vivi:                            Meine Eltern kommen heute zum Abendessen, und die ganze Küche ist durcheinander. Ich muss das Sofa verschieben und den Esstisch hineintragen.

 

Der Techniker:          Madame, mit dem Abendessen kann ich Ihnen nicht helfen.

Wenn Sie mich einladen, kann ich essen.

Ich kann zwar nicht kochen, aber den Teller esse ich im Nu leer.

Es ist wahrscheinlich ein Kontaktfehler im Kabel.

Ist das Dach offen?

 

Vivi:                            Das Dach?

 

Der Techniker:          Ist das Dach offen?

 

Vivi:                            Ich gebe Ihnen einen Schlüssel. (Geht ab)

 

Der Techniker:         Schönen Fernseher haben Sie da, einen Sony DSP, Flachbildschirm 29 Zoll. Geht nie kaputt, nur wenn einmal was kaputt geht, ist es ein Wahnsinn. Bis man es repariert hat, wird man verrückt.

 

Vivi:                            (Kommt zurück, reicht ihm den Schlüssel)

Da ist der Schlüssel für das Dach.

 

Der Techniker:          Ich gehe kurz hinauf und komme dann wieder.

(Geht ab und singt vor sich hin) Lalala…

 

(Dies ist das Lied, dass der Junge für Happy in Bild fünf singt. Er geht ab. Der Gesang des Techniker und seine Schritte im Stiegenhaus sind zu hören.)

 

Vivi:                            (Hört dem Gesang zu, das Lied kommt ihr bekannt vor. Sie setzt sich auf das Sofa. Als die Stimme des Technikers verstummt, singt sie die letzte Zeile des Liedes.)

Lalala.

 

(Vorhang)


Zweiter Prolog

 

Der Moderator betritt die Bühne vor dem Vorhang. Es ist der Schauspieler, der den Techniker dargestellt hat. Er trägt einen funkelnden Anzug, ist guter Laune.

 

Der Moderator:          Guten Abend, hier bin ich wieder! Ihr brillanter Entertainer!

Mal bin ich dort, mal bin ich da, und jetzt bin ich wieder hier.

Ich bin wieder hier, in derselben Rolle und auf derselben Fete!

Und wie schön, dass Sie auch wieder da sind!

Welch Freude, Sie wieder hier begrüßen zu dürfen, in diesem angenehmen, heimeligen Saal, in diesem wunderbaren Saal, voller Stimmung. Und welch wunderbare Vorstellung wir hier sehen werden! Stars und Überraschungen! Musik und alles, was Ihr Herz begehrt! Von Anfang an bis zum Ende!

Ein cooles Stück, eine coole Geschichte, coole Lieder, coole Schauspieler, coole Witze, kurzum – eine coole Vorstellung.

Und gratis dazu – eine Aussage!

Ja wirklich, hinter all dem verbirgt sich die Moral von der Geschicht’! Was gibt es heute noch? Kommentare – wie im Fernsehen – und noch mehr. Man wird erklären, erläutern, falls was unklar sein sollte – die Kommentatoren sind hier.

Dr. Josef Eini und Dr. Mordechai Daltotkin!

(Die beiden treten ein.)

– Guten Abend.

 

Die Beiden:               Guten Abend.

 

Der Moderator:          Ich wollte Sie unserem wunderbaren Publikum vorstellen.

Sie werden die Vorstellung von hier aus betrachten, und ab und zu auf die Bühne kommen, um uns dann Ihre umwerfenden Kommentare zu liefern. Ganz so wie im Fernsehen.

 

Dr. Daltotkin:             Ja, sehr gerne, wie sind schon neugierig.

 

Dr. Eini:                      (zu ihm)Ja, durchaus, durchaus.

 

Der Moderator:         Danke vielmals. Wir werden ungeduldigst Ihrer klugen Bemerkungen harren. Heute ist ein großer Tag für das Theater.

(Reicht ihnen zwei Programme)

 

Dr. Eini:                      Was ist das?

 

Der Moderator:         Das ist das Programm, Sie können es in der Zwischenzeit darin blättern.

 

Beide:                         Vielen Dank, vielen Dank!

(Beide ab)

 

Der Moderator:          Danke vielmals Dr. Eini und Dr. Daltotkin.

Und an Sie habe ich eine Bitte: Lehnen Sie sich zurück und freuen Sie sich einfach!

Denn wie heißt unser Stück heute? – Hapiness! Ganz wie im Fernsehen!

Freuen Sie sich! Wir lieben Sie! Weil Sie unser Publikum sind, und wir Ihr Theater! Das Chan Theater, und jetzt erst recht! Warum? Einfach so!

(Er schüttelt sich vor lachen.)

Zu allererst, um uns in Stimmung zu bringen, möchte ich unsere Stars auf die Bühne bitten, zum ersten Freudentanz!

 

(Der Vorhang geht auf. Die Schauspieler  treten auf und tanzen den Freudentanz. Am Ende des Tanzen wird das erste Bild eingerichtet.)

 

Zwischenbild

 

Der Moderator:         Nach diesem unglaublich fröhlichen Eröffnungstanz, den die Schauspieler für uns vorbereitet haben, können wir beginnen…

(Ein Telefon klingelt im Publikum)

 

Der Moderator:          Ich höre da ein Telefon…

 

(Der Moderator versucht, das Klingeln zu orten. Im Publikum sitzen Shmuel und seine Frau, Elisheva. Das Telefon klingelt. Shmuel antwortet.)

 

Shmuel:                     Hallo?

 

Elisheva:                   Shmuel, das stört.

 

Der Moderator:         Nein, gnädige Frau, lassen Sie ihn! Wir wollen nicht stören. Beenden Sie ruhig ihr Gespräch, dann machen wir weiter.

 

(Die Schauspieler, die Happy und den Vater darstellen, betreten die Bühne und betrachten zusammen mit dem Moderator die zwei im Publikum.)

 

Shmuel:                    (Ins Telefon) Ich komme sofort.
(Steht auf. Zu Elisheva) Ich muss gehen.

 

Elisheva:                   (Fasst in am Arm) Wohin musst du? Was heißt hier gehen?

Du hast gesagt, dass du mitkommst. Wohin gehst du? 

 

Shmuel:                    Man hat den Kommandanten festgenommen, man muss eine Kaution stellen.

 

Elisheva:                   Ich komme mit.

 

Shmuel:                    Nein, bleib da. Ich gehe mit ihnen zur Polizei und komme wieder. Ich warte draußen, wenn die Vorstellung zu Ende ist.

 

Elisheva:                   Ich will das nicht, Shmuel. Du gehst spielen, ich weiß das. Du gehst wieder spielen.

 

Shmuel:                     Spielen? Hältst du mich für verrückt, oder was?

Elisheva:                   Du bist ein Junkie!

 

Shmuel:                    Elisheva, tu mir einen Gefallen, keine Szenen bitte. Hier gibt es gleich interessantere Szenen auf der Bühne. Bleib sitzen, sieh es dir an, genieß es. Wir treffen uns in… ( zum Moderator) Wie lange dauert die Vorstellung?

 

(Alle drei antworten gleichzeitig)

 

Happy:                       Eine Stunde und fünfzehn Minuten.

 

Der Vater:                  Und zwanzig Minuten.

 

Der Moderator:          Eine Stunde und zehn Minuten, nicht länger.

 

Shmuel (zur Frau):   Hörst du? In einer Stunde treffen wir uns draußen.

 

Elisheva:                   Aber warum können wir nicht einmal in Ruhe wo zusammen sitzen und genießen?

 

Shmuel:                     Nach dem Theater gehen wir in ein Café nebenan.

Ich verspreche es dir. Ich muss jetzt gehen.

 

Elisheva:                   (hält ihn fest)

Shmuel, geh nicht, hörst du? Du bringst mich um!

 

Shmuel:                     Elisheva, du bist hysterisch, das reicht. Wir sehen uns draußen.

(Geht ab)

 

Elisheva:                   (ruft ihm nach)Shmuel! (setzt sich hin.)

 

(Die Schauspieler (Happy und der Vater) richten die Bühne ein.)

 

Der Moderator:         Ist das alles? So, wenn Sie mir erlauben, eine kurze Anmerkung – Damit Sie heute Abend zu vollem Genuss kommen, rate ich Ihnen, Ihre Handys abzuschalten – es sei denn Sie erwarten ein sehr dringendes Gespräch.

Gut, wir beginnen.

Unser Stück spielt in einem dreistöckigen Wohnhaus.

Im ersten Stock wohnt der Vater, bald werden wir sehen, wie sein Sohn Happy ihn überreden will, von dort wegzuziehen. Erstes Bild!


Bild 1 – Happy schlägt seinem Vater vor, zu übersiedeln

 

(Auf der Bühne steht ein Tisch mit einem Tischtuch. Happy und sein Vater sitzen am Tisch und trinken ihren Kaffee fertig. Der Vater, ein älterer, gut gekleideter Mann, trinkt den letzten Schluck. Happy räumt den Tisch ab)

 

Happy:           Das ist es. Alles ist dort grün – Wiese, Bäume, ein Pool, ein Fitnessraum… Du kannst im Speisesaal essen, aber auch in deinem Zimmer kochen… Du wirst immer Leute um dich haben.

 

Der Vater:      Du willst mich loswerden.

 

Happy:           Papa, du weißt, wenn dir etwas zustößt, habe ich keine ruhige Minute mehr.

 

Der Vater:      Was hast du dort in der Tüte?

 

Happy:           Papiere, Dokumente.

 

(Happy tritt von rechts ab. Der Vater nimmt die Tüte und entnimmt ihr einen Damenschuh. Happy kommt zurück, sieht seinen Vater mit dem Schuh, nimmt ihm den Schuh weg und legt ihn zurück in die Tüte.)

 

Happy:           Ah – das…

 

Der Vater:      Was das?

 

Happy:           Eine Frau hier in der Umgebung verstreut ihre Schuhe, wie Blumen ihre Pollen. Ich wäre gern Detektiv (mit einem Lächeln) oder ein Schmetterling…

 

Der Vater:      Wie geht es Vivi?

 

Happy:           Du kommst doch zum Abendessen, oder?

 

Der Vater:      Ja.

 

Happy:           Versuch bitte die Schuhe nicht zu erwähnen, gut? (Wendet sich, um zu gehen. Bleibt stehen) Gehen wir uns morgen diesen Platz ansehen?

 

Der Vater:      Genug, davon will ich nichts mehr hören. Du kannst beruhigt sein, du wirst mich nicht einen einzigen Tag pflegen müssen, nicht eine Minute. Nicht mal einen Arzt musst du rufen. Und übrigens warne ich dich hiermit: Wenn du mich in ein Krankenhaus steckst, werde ich dich in deinen Träumen verfolgen.

                        (Schweigen) Wenn ich falle, wird es an der Tür läuten, und du wirst die Tür öffnen.

 

(Er steht auf und geht ab. Von draussen hört man einen Knall und den Lärm einer zersplitterten Kaffeetasse)

 

Happy:           Papa?

(Es klingelt an der Tür)

Herein!

 

(Der Junge tritt ein mit einem Koffer in der Hand. Happy sieht in verwundert an)

 

Der Junge:    (mit einem Lächeln)

                        Guten Tag.

 

Happy:           Guten Tag.

 

Der Junge:    Ich suche Arbeit.

 

(Eine Wand wird vorgeschoben)


Bild 2 – Vivi

 

(Vivi schlummert auf dem Sofa. Eine Tür öffnet und schließt sich. Sie wacht auf und steht auf. Happy tritt ein, verwirrt, verängstigt, mit einer Tüte in der Hand.)

 

Vivi:                            Das Essen ist fertig.

 

Happy:                       Mein Vater kommt nicht zum Abendessen.

 

(Er legt die Tüte auf das Sofa und zieht seine Jacke aus)

 

Vivi:                            Was ist los?

 

Happy:                       Er ist gefallen, er ist gelähmt, er kann nichts sagen.

 

Vivi:                            Hast du einen Arzt gerufen?

(Setzt sich aufs Sofa)

 

Happy:                       Er erlaubt es nicht. Bevor er gefallen ist, ist etwas Seltsames geschehen…(Steht auf)

Ich werde einen Arzt rufen, klar. (Wendet sich, um zu gehen, bleibt stehen) Es hat geläutet, ein Junge stand vor der Tür…

Ich rufe jetzt den Arzt an…

 

(Tritt ab. Vivi guckt in die Tüte. Er kommt zurück)

 

Happy:                       Beim Arzt ist besetzt. (Kurze Pause)

Ich geh mal nachsehen, wie es ihm geht.

(Wendet sich, um zu gehen. Versucht sich an etwas zu erinnern)

Was war das? Ein Traum? Egal. Ich rufe von unten an. 

(Wendet sich, um zu gehen. Bleibt stehen)   

Die Nummer vom Arzt. (Kommt zurück und geht in die Küche)

 

Vivi:                            Du hast hier was vergessen.

(Sie nimmt den Schuh aus der Tüte und zieht in an. Er passt. Sie nimmt die Fernbedienung und schaltet den Fernseher an. Töne von Bild 3 sind zu hören. Es läutet an der Tür)

Herein.

 

(Der Kommandant tritt ein, einen Schuh in der Hand. Er blickt Vivi an. Kurze Pause)

 

Vivi:                            Guten Tag.

 

Der Kommandant:   Entschuldigen Sie, ist das Ihr Schuh?

 

Vivi:                            (Guckt in die Küche und wieder zum Kommandanten)

Ich denke schon.

 

(Sie nimmt den Schuh, setzt sich aufs Sofa und zieht ihn an. Er passt ihr und passt zum anderen Schuh, den sie bereits trägt.)

 

Der Kommandant:   Wir spielen bei Plotnik.

 

Vivi:                            Bei Plotnik?

 

Der Kommandant:   Zwei Stockwerke unten.

 

Vivi:                            Im Keller.

 

Der Kommandant:   Sind Sie allein?

 

Vivi:                            Sehr.

 

Der Kommandant:   Ich habe den Schuh auf der Treppe gefunden…
Er hat „Hilfe“ gerufen.

                                    Das Spiel geht weiter.

 

(Vivi wendet ihren Blick wieder dem Fernseher zu.)

 


Bild 3 – Der Keller

 

Ein Tisch, darauf eine Flasche Wodka, Karten und Geld. Shmuel sitzt mit dem Rücken zum Publikum, der dritte Mann sitzt rechts neben ihm. Plotnik geht unruhig herum. Der Kommandant steht grübelnd herum.

 

Plotnik:                       Wie viel hast du schon verloren?

 

Der Kommandant:   5,000.-

 

Plotnik:                       (zum dritten Mann)

                                    Und du?

 

3. Mann:                    2,500.- Und du?

 

Plotnik:                       20,000.-

(Shmuel lacht)

 

Der Kommandant:   Du lachst?

 

Plotnik:                       Warte, die Nacht ist noch lang…

 

Der Kommandant:   (Zu Plotnik, mit dem Blick nach oben)

Wer ist die Frau im dritten Stock?

 

Plotnik:                       Hübsche Frau, was?

 

Der Kommandant:   Wohnt sie dort allein?

 

Plotnik:                       Woher soll ich das wissen, ich wohne im Keller.

 

3. Mann:                    Und?

 

Der Kommandant:   Hast du schon ausgeteilt?

 

Shmuel:                     Ja.

 

Der Moderator:          (Betritt die Bühne, zum Publikum)

Die hübsche Frau im dritten Stock heißt Vivi.

Den geheimnisvollen Mann, der den Schuh gefunden hat, nennen wir „der Kommandant“. Wir sind jetzt im Keller. (ab)

 

(Der Kommandant setzt sich)

 

3. Mann:                    Ich passe.

 

Plotnik:                       Tausend.

(Legt Tausend auf den Tisch)

 

Der Kommandant:   Sind auf dem Tisch.

 

Shmuel:                     Eure Tausend und noch zwei.

(Legt zweitausend Schekel auf den Tisch)

 

Plotnik:                       Bitte.

(Legt noch Tausend hin)

 

Der Kommandant:   Bitte. 

                                    (Legt noch Tausend hin)

 

Shmuel:                     Du bist dran.

 

Elisheva:                   Shmuel!

                                    (Die Männer hören nichts)

 

Plotnik:                       (Spielt) Paare.

 

Der Kommandant:   Dreier.

 

(Plotnik greift sich verzweifelt an den Kopf)

 

Elisheva:                   (Steht von ihrem Platz im Publikum auf)

Shmuel! (Zum Publikum) Das ist mein Mann dort oben. Ich wusste, dass er Karten spielen geht.
Er macht mich verrückt! Shmuel!

(Shmuel reagiert nicht)

Gut, ich rufe ihn mal an.

(Sie nimmt ein Telefon aus ihrer Tasche und wählt)

 

Der Kommandant:   Zeigen.

 

(Das Telefon auf der Bühne klingel. (Alle vier ziehen ein Mobiltelefon hervor, Shmuel antwortet.)

 

Shmuel:                     Hallo?

 

Elisheva:                   Shmuel!

 

Shmuel:                     (erschrocken) Elisheva? Ist das Stück zu Ende?

 

Elisheva:                   Du spielst Karten!

 

Shmuel:                    Wie kommst du darauf? Wir sind hier auf dem Polizeirevier. Sie haben den Kommandanten wieder festgenommen. Ich kümmere mich nur um die Kaution und komme.

 

Elisheva:                   Warum lügst du? Ich kann dich doch sehen!

(Shmuel blick sich erschrocken um)

 

Shmuel:                     (zu den anderen, indem er den Hörer bedeckt)

Ist hier irgendwo ein Fenster offen?

(Ins Telefon) Wo bist du? Bist du aus dem Theater raus?

Elisheva:                   Du sitzt auf der Bühne und spielst Karten!

 

Shmuel:                     Was denn für eine Bühne, wo bist du?

 

Elisheva:                   Ich bin im Saal, mein Lieber, und ich kann dich genau sehen.

Du sitzt auf der Bühne mit noch drei Typen und spielst Karten.

 

Der Kommandant:   Leg schon auf, in Gottes Namen, und spiel.

 

Shmuel:                     Warte mal, sie ist vollkommen hysterisch.

 

Elisheva:                   (zum Publikum)

Ich bin hysterisch!

 

Shmuel:                     (Ins Telefon) Elisheva!

 

Eliesheva:

Ja?

 

Shmuel:                    Hör mir gut zu. Du bist einfach hysterisch. Ich weiß nicht, wovon du sprichst. In ein paar Minuten sind wir hier fertig, ich warte neben dem Theater auf dich, sobald die Vorstellung zu Ende ist. Mein Liebling, ich bitte dich, vertrau mir ein wenig, du weißt, dass ich dich nicht anlügen kann.

 

Elisheva:                   (zum Publikum)

Gut, wie kommt man hinter die Bühne. (Ins Telefon) Ich komme dich holen. (Legt auf)

 

Shmuel:                     Elisheva, Elisheva! Hallo!

 

Elisheva:                   (Wendet sich zum Ausgang des Saals)

Wie kommt man hier raus?

 

Der Kommandant:   Zeigen.

 

Shmuel:                     (zeigt) Full As!

(Er lacht und zieht das Geld an sich)

 

Elisheva:                   (zum Publikum, im gehen.)

Ich gehe hinter die Bühne, mir ist alles egal.

Vor sieben Jahren ist er ins Casino in Jericho gefahren, und hat dort unser Haus verspielt.

(Verlässt den Saal)

 

Der Kommandant:   (Steht auf. Zu Plotnik)

Sei so gut, bring noch eine Flasche.

Gibt es noch eine Flasche?

(Hebt den Kopf und blickt nach oben)

 

 

Plotnik:                       Ja, es gibt noch eine.

 

3. Mann:                    (zu Shmulik) Was hat er heute?

 


Bild 4 – Vivi sieht einen Film

 

(Vivi sitzt vor dem flimmernden Fernseher. Vom Fernseher kommen Stimmen vom Pokerspiel aus dem vorigem Bild. Der Kommandant steht hinter ihr. Sie dreht den Ton leiser.)

 

Vivi:                            (in Richtung Küche)

Hast du angerufen?

 

(Der Kommandant zieht sich in den Hintergrung zurück. Happy tritt auf)

 

Happy:                       Noch nicht, ich habe die Nummer eingesteckt.

(Er wendet sich zur Tür. Bleibt stehen)

Mir ist eingefallen, was ich heute geträumt habe.

Hat es an der Tür geläutet?

 

Vivi:                            Ich habe nichts gehört.

 

Happy:                       Ich bin im Einkaufszentrum neben unserer Wohnung, und plötzlich glaube ich, dich von weitem, zwischen den Menschen, zu erkennen. Ich gehe dir nach, doch du entfernst dich. Ich gehe schneller, du aber auch. Und dann merkwürdigerweise, spüre ich, dass mich jemand verfolgt. Siehst du das Bild? Ich folge dir und jemand folgt mir. Ich hatte das Gefühl, dass es ein Mann ist. Und dann dachte ich, dass er vielleicht dir folgt, und ich nur dazwischen gekommen bin. (Kurze Pause. Vivi blickt auf den Fernseher. Er setzt sich neben sie)

Was sagst du dazu?

 

Vivi:                            (Er setzt sich neben sie und nimmt die Tüte in die Hand)

Du hättest dich umdrehen, und ihn sehen können. (Kurze Pause)

 

Happy:                       Ich hatte Angst, ihn zu sehen.

 

Vivi:                            (In Richtung Fernseher)

                                    Die Kartenspieler, hast du sie gesehen?

 

Happy:                       Nein.

 

Vivi:                            Ein Mann belügt seine Frau.

(Kurze Pause)

 

Happy:                       Ich habe mich entschieden, ich gehe zu meinem Vater.

(Er steht auf) Kommst du mit?

 

Vivi:                            Ich sehe mir gerade einen Film an.

 

Happy:                       Ich werde ihn hinbringen.

(Er geht zur Tür. Sie sieht weiter fern. Vom Fernseher erklingen die Stimmen vom Pokerspiel)

 

Vivi:                            Happy…

 

Happy:                       (bleibt stehen) Ja.

 

Vivi:                            Diese Schuhe, stehen sie mir?

 

Happy:                       Sehr sogar, gratuliere.

 

(Er dreht sich um und geht. Vom hinteren Teil des Zimmers kommt der Kommandant näher. Er stellt sich hinter sie.)

 

Vivi:                            Du riechst wie ein Mann, der Geld von Frauen bekommt, damit er ihre Ehemänner umbringt.

(Kurze Pause)

Ihr spielt jeden Donnerstag unten bei Plotnik.

Ich kann euch von meinem Fenster kommen sehen. Und in der Nacht sehe ich, wie ihr wieder geht.

Ihr betrinkt euch dort, oder?

 

Der Kommandant:   Du hast einen Mann, (kurze Pause) du hast nicht gesagt, dass du einen Mann hast. (kurze Pause)

 

Vivi:                            Ich fürchte mich vor dir, das ist gut.

Die Furcht vor dir lässt mich die Angst, die ich bei ihm habe, vergessen.

 

(Der Moderator tritt vom Vorhang rechts hinten hervor.)


Zwischenbild – Die Kommentatoren

 

Der Moderator:         Entschuldigen Sie, dass ich mich einmische!
(Zum Publikum) Ist es zu diffus, kann man schwer folgen?

Versteht hier jemand etwas nicht?

Das ist der richtige Augenblick für unsere Kommentatoren.

Dr. Josef Eini und Dr. Mordechai Daltotkin.

 

(Vivi und der Kommandant ab. Dr. Daltotkin und Dr. Eini treten etwas zögernd auf.)

 

Dr. Eini:                      (Zum Publikum)

Guten Abend.

 

Der Moderator:          Kommen Sie, treten Sie bitte näher.

 

Dr. Eini:                     Wir machen das üblicherweise nicht… (zu Dr. Daltotkin) denke ich? (zum Publikum) so mittendrin…zu stören

 

Der Moderator:          Sie stören nicht, im Gegenteil. Wir wollen dem Publikum helfen –

nachdenken, verstehen, es gibt ja schließlich eine Aussage.

 

Dr. Eini:                     Wenn das so ist, dann wollen wir erstmal mit der Frage des Narrativen beginnen.

(Kurze Pause)

 

Der Moderator:          Das heißt?

(Kurze Pause)

 

Dr. Eini:                      Die Syntax.

 

Der Moderator:          Also…

 

Dr. Eini:                      Worum es geht.

 

Der Moderator:          Aha.

 

Dr. Eini:                      Sozusagen, das Stück.

 

Der Moderator:          Was denn sonst.

 

Dr. Eini:                      Was ist Ihre Meinung, Dr. Daltotkin.

 

Dr. Daltotkin:             Ich bin ganz und gar mit Josef einig.

 

Der Moderator:         Interessant, vielleicht könnten Sie das etwas ausführen, Herr Doktor?

 

Dr. Eini:                      (Versucht, weiterzusprechen) Lassen Sie mich nur noch…

 

Dr. Daltotkin:             Einig und uneinig.

 

Der Moderator:          Interessant, das heißt also…

 

Dr. Eini:                      Ich wollte noch versuchen…

 

Dr. Daltotkin:             Ein dreistöckiges Wohnhaus – was symbolisiert das? 

Der obere Stock: Eine Frau und ihr Mann,

Der untere Stock – ein Vater, und der Mann ist auch der Sohn.

Im Keller Kartenspieler… Geld…

Das freudsche Symbol für Lust, Triebe und Leidenschaft, irrationelle Gefühle… Ein dreistöckiges Wohnhaus…(mit einem dringenden Tonfall)

Entschuldigen Sie bitte, dass ich kurz mit etwas Technischem unterbrechen muss…

Der Vater, was hatte er? Einen Schlaganfall?

 

Der Moderator:          Ja, wahrscheinlich, so was in der Art.

 

Dr. Daltotkin:            Schön, kann man in diesem Schlaganfall nicht die para-pathologische Essenz des Zustandes des Pseudo-Sohnes erkennen, des Pseudo-Mannes…

Das heißt… Anders gesagt… Einen intertextualen Ansatz des Ödipus-Komplexes?

Dr. Eini:                      (zum Moderator) Was redet er da? Verstehen Sie, was er sagt?

 

Der Moderator:          Jetzt noch nicht, aber es ist sehr interessant.

(Er setzt sich auf Sofa und schläft sofort ein)

 

Dr. Daltotkin:             (zum Publikum) Worüber sprechen wir hier, Josef?

 

Dr. Eini:                      Worüber?

 

Dr. Daltotkin:             Über ein Dreieck.

 

Dr. Eini:                      Was für ein Dreieck?

 

Dr. Daltotkin:             Erstens – drei Stöcke.

Zweitens – Ein Vater, ein Sohn und eine Mutter.

Drittens…

 

Dr. Eini:                      Eine Mutter? Woher nimmst du die Mutter?

 

Dr. Daltotkin:            Die Mutter ist tot und der Vater wurde kastriert – der Schlaganfall. Was bleibt ist der Sohn. Das heißt, was bleibt, ist ein Dreieck mit nur einer Seite.

 

Dr. Eini:                      (spöttisch) Dr. Daltotkin…

 

Dr. Daltotkin:             Ja?

 

Dr. Eini:                     Nicht jede Frau ist Mutter, genauso wenig wie nicht jeder Schlauch, verzeihe mir bitte, ein Phallus ist.

 

Dr. Daltotkin:             Was willst du damit sagen?

 

Dr. Eini:                     Hast du vielleicht bemerkt, dass die Frau den Betrug ihres Mannes angedeutet hat?

 

Dr. Daltotkin:             Ja, durchaus. Meiner Meinung nach ist hier kein…

 

Dr. Eini:                     Wenn im ersten Akt ein Betrug angedeutet wird, kannst du sicher sein, dass er im zweiten Akt stattfindet.

 

Dr. Daltotkin:             Im dritten Akt.

 

Dr. Eini:                     (zum Moderator) Wie viele Akte hat dieses Stück? (Kurze Pause) Hallo?

 

Der Moderator:          (wacht auf) Wie? Einen Akt. Es ist ein sehr kurzes Stück. 

 

Dr. Eini:                      Das ist alles, Daltotkin.

Du versteifst dich auf die Multilokalität der Handlung.

Und du übersiehst die fetischistischen Andeutungen die überall gestreut wurden. Schuhe… Karten… Geld…

 

Dr. Daltotkin:             Gut, das ist…

 

Dr. Eini:                     Der Text versucht es – ich sage nicht, dass es ihm gelingt – die Wirklichkeit auseinander zu nehmen und sie wieder in der Form eines Wohnhauses zusammen zu bauen.

Du fragst, worum es geht? Ich werde es dir sagen:

(Er hebt die Hand, hüstelt und hebt sie langsam über den Kopf)

Der Tod galoppiert auf einem Pferd durch den Himmel.

 

Elisheva:                   (ist in den Saal zurückgekehrt)

Entschuldigung!

 

Der Moderator:          Was ist das? Was ist los? Wer hat was gesagt.

 

Dr. Daltotkin:            Ich glaube, es kam eine Frage aus dem Publikum, (zum Publikum) oder?

 

Elisheva:                   Wie kommt man nach hinten? (Pause)

 

Dr. Daltotkin:             (leise zum Moderator)

Was meint Sie damit, nach hinten?

 

Der Moderator:          (zu Elisheva im Publikum)

Wir haben die Frage nicht verstanden.

 

Elisheva:                   Wie kommt man hinter die Bühne?

Die Kommentatoren: Ach so.

 

Der Moderator:          (zu den Kommentatoren)

Gut, das ist der Augenblick, diese spannende Diskussion zu unterbrechen, und später fortzuführen. Ich glaube nämlich, dass das Publikum noch nicht ganz…

 

Dr Daltotkin:              Ich habe aber noch nicht…

 

Der Moderator:          Macht nichts, macht nichts.

(Er schüttelt ihnen die Hand. “Danke, vielen Dank, es war uns eine Ehre” usw. Die Kommentatoren gehen ab)

 

Dr. Daltotkin:             (Beim Abgehen)

Wir sind aber noch gar nicht zu einem Punkt gekommen.

 

Dr. Eini:                      (zu Dr. Daltotkin)

Du bist nicht zum Punkt gekommen.

(Gehen ab)

 

Der Moderator:          (zu Elisheva im Publikum)

Was ist los?

 

Elisheva:                   (Nähert sich der Bühne)

Entschuldigen Sie, dass ich ihr Stück hier störe, aber mein Mann Shmuel befindet sich in Ihrem Stück.

 

Der Moderator:          Ihr Mann Shmuel? Es gibt bei uns keinen Shmuel.

 

Elisheva:                   Doch, doch, er spielt Karten, mit drei Freunden.

Egal, wie komme ich hinter die Bühne.

 

Der Moderator:          Sie gehen aus dem Saal, und dann um die Ecke.

(zum Publikum) Wir gehen jetzt ab…

 

Elisheva:                   Ich war dort, die Tür ist zu.

 

Der Moderator:          Nein, sie ist nicht zu, Sie müssen fest drücken.

 

Elisheva:                   Das habe ich, aber sie ist nicht aufgegangen.

 

Der Moderator:         Madame. Wir wollen in den ersten Stock gehen, und sie lassen uns nicht. Geht auf, geht nicht auf – the show must go on.

Gehen Sie um die Ecke, bis zur grünen Tür und drücken Sie.

Ich drücke dort und gehe dreimal am Tag hinein. Sie sagen, sie geht nicht auf? Sie haben nicht gedrückt. Sie geht nicht auf.

Geht nicht auf, sagt sie mir…

(zum Publikum) Hopp – wir gehen in den ersten Stock und treffen dort den Vater von Happy.


Bild 5 – Der Junge

(Der Vater sitzt im Rollstück, fast gänzlich gelähmt, trägt einen Pyjama. Happy steht neben ihm)

 

Happy:                       Ich nehme dich jetzt mit, ein Arzt muss dich behandeln.

Nicht so ein Kind, von dem man nicht weiß woher er kommt und was er hier macht.

(Pause) Verstehst du mich? Gib mir ein Zeichen. (Pause)

(Der Junge betritt die Bühne von hinten kommend. Er trägt ein Glas Saft)

 

Der Junge:                (freudig) Happy…

 

Happy:                       Ich nehme ihn mit.

(Gibt dem Vater zu trinken)

(Kurze Pause. Der Vater trinkt den Saft aus)

 

Der Junge:                (zu Happy)

Sie wissen, dass er nicht gehen will.

(zum Vater) Hat’s geschmeckt? (kurze Pause) Guten Appetit.

(zu Happy) Tun Sie es nicht.

(Geht nach Links ab)

 

Happy:                       (zum Vater)

Woher weiß er, dass du nicht gehen willst?

Junge, komm mal her.

(Der Junge tritt von hinten auf, ein Handtuch in der Hand)

 

Der Junge:                Wir gehen uns gerade waschen.

 

Happy:                       Woher weißt du…

 

Der Junge:                Er hat es mir gesagt.

 

Happy:                       Kann er sprechen?

 

Der Junge:                Sprechen?

 

Happy:                       Sprechen.

 

Der Junge:                Mit Wörtern?

 

Happy:                       Mit Wörtern.

 

Der Junge:                Nein.

 

Happy:                       Keine Wörter?

 

Der Junge:                Nein.

 

Happy:                       Mit Bewegungen?

 

Der Junge:                Er ist gelähmt.

 

Happy:                       Wie hat er es dann gesagt? Du hast gesagt, er hat es gesagt.

Kurzum, leeres Gerede. (Der Junge fängt an, den Vater zu entkleiden)

 

Happy:                       Ich muss jetzt gehen, wir reden später.

 

Der Junge:                Haben Sie Angst, ihn ohne Kleider zu sehen?

 

Happy:                       Warum sollte ich Angst haben, ihn ohne Kleider zu sehen.

 

Der Junge:                Warum gehen Sie?

 

Happy:                       Ich bin beschäftigt, sehr beschäftigt.

Ich habe einen Haufen Arbeit, deshalb gehe ich.

 

Der Junge:                (zum Vater) Was?

 

Happy:                       Was?

 

Der Junge:                (zu Happy) Er macht sich Sorgen, weil er in letzter Zeit deine Frau nicht gesehen hat.

 

Happy:                       Warum er sie nicht sieht? Sie will ihn nicht belasten. Das ist alles. Sie wird hinunter kommen.

 

Der Junge:                (zum Vater) Was ist das?

 

Happy:                       Was?

 

Der Junge:                (Hört zu, nahe am Kopf des Vaters. Zu Happy)

Kennen Sie das Lied noch, das er Ihnen beim Kopfwaschen vorgesungen hat?

 

Happy:                       Was für ein Lied beim Kopfwaschen, was redest du da? (Der Junge legt seinen Kopf dicht an den Kopf des Vaters)

 

Der Junge:                (Er singt ein Kinderlied mit der Melodie, die der Moderator und Vivi am Ende des ersten Prologs gesungen haben)

 

Tante Minni kaufte Happy

Ein Glöckchen

und das macht

–       Ding Ding Dong

(Happy sinkt in die Knie)

Tante Bebe kaufte

Ein Lämmchen

Und das macht

–       Bäh, bäh, bäh.

(Happy nähert sich dem Vater und hält ihm die Hände)
Tante Chaja kaufte Happy

Einen Esel,

Und der macht

I-A, I-A.

 

 

Happy:                       Papa, Papa…(Er steht unruhig auf. Zum Vater) Als wir nach meiner Bar Mitzwah aus der Synagoge gekommen sind, weißt du noch? Da wollte ich dir die Hand geben, aber du hast gesagt, nein, du bist schon groß.

Da war ich plötzlich allein. Ich wollte nicht groß sein. Ich wollte deine Hand. Und jetzt wieder… (fast weinend) Papa… Papa…

 

Der Junge:                Wir fahren bald los.

 

Happy:                       Wohin fahrt ihr bald? (Kurze Pause) Wer bist du?

 

Der Junge:                Hat er Ihnen etwas gesagt, bevor er gefallen ist?

 

Happy:                       Ja.

 

Der Junge:                Hat er gesagt – mach die Tür auf?

 

Happy:                       Ja.

 

Der Junge:                Ist die Tür aufgegangen?

 

Happy:                       Ja.

 

Der Junge:                Lassen Sie sie offen.

 

Happy:                       Ich verstehe nicht.

(Kurze Pause)

 

Der Junge:                Wir könnten ihn jetzt gemeinsam waschen. Ziehen Sie ihm den Pyjama aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwischenbild – Elisheva steigt auf die Bühne

 

 

Elisheva:                   (Kehrt in den Saal zurück)

Entschuldigen Sie, aber die grüne Tür geht nicht auf.

 

Der Moderator:          (Tritt auf) Was ist los?

 

Elisheva:                   Sie haben gesagt, ich soll die grüne Tür aufdrücken…

 

Der Moderator:          Und?

 

Elisheva:                   Ich kann sie treten, bis ich grün werde, sie ist abgeschlossen.

Entweder machen Sie mir auf, oder ich komme auf die Bühne.

 

Der Moderator:         Madame, verzeihen Sie mir bitte, dass ich Ihnen das sagen muss. Bei uns hat zwar der Abonnent immer Recht, aber was zuviel ist, ist zuviel. Wir sind hier mitten in einem sehr interessanten Stück. Das Publikum unterhält sich mächtig, und Sie, verzeihen Sie, nerven uns bis aufs Blut und gehen uns auf die Eier…

 

Elisheva:                   Sind Sie fertig?

 

Der Moderator:          Einstweilen.

 

Elisheva:                   Ich komme auf die Bühne.

 

Der Moderator:          Was soll das, Sie kommen auf die Bühne! Vorhang!

(Elisheva steigt auf die Bühne. Der Vorhang beginnt sich zu senken) Schade, Madame, Sie machen sich lächerlich.

(Geht hinter die Bühne. Der Vorhang schließt sich)

 

Elisheva:                   (Versucht Zutritt hinter den Vorhang zu gewinnen)

Shmuel! (Kurze Pause) Shmuel! (Wendet sich an das Publikum, schützt ihre Augen vor den Scheinwerfern) Ich sehe nicht, wegen der Scheinwerfer. Ich weiß, dass ihr mich anseht.

Verzeihen Sie bitte, dass ich störe, aber Sie müssen auch mich verstehen. (Versucht wieder Zugang zu finden, schafft es nicht. Wieder an das Publikum) Gut, ich brauche mir keine Sorgen zu machen, am Ende wird er ja doch aufgehen. (Pause) Shmuel!

(Man hört ein Echo. Kurze Pause)

Mein Mann ist ein guter Mensch, aber etwas verrückt. Wenn ich ihn nicht auf der Stelle losreiße, verspielt er sein letztes Hemd. Und in seiner Brusttasche sind unsere Wohnungsschlüssel, und in der Wohnung auch alle Ersparnisse und Pensionen.

(Der Vorhang öffnet sich)

Oh…


Zwischenbild – Kommentare zu Elisheva

(Der Vorhang geht hoch. Man sieht Dr. Daltotkin und Dr. Eini, die mit dem Moderator diskutieren.)

 

Der Moderator:

Hoppla, wer hat denn hier den Vorhang hochgezogen, ein kleines Missverständnis.

 

Dr. Daltotkin: (Dreht sich um und sieht Elisheva)

Ho-ha

 

Dr. Eini:

Warum erschrecken Sie?

 

Dr. Daltitkin:

Man hat uns überrascht.

 

Der Moderator:

Keine Sorge, wir machen gleich mit dem Stück weiter.

 

Dr. Eini: (zu Daltotkin)

Ein wenig Improvisationsvermögen könnte Ihnen nicht schaden.

 

Der Moderator:

Wenn Sie bitte hinausgehen würden.

(Der Moderator zieht Dr. Daltotkin am Ärmel um ihn rauszuziehen)

 

Dr. Eini: (zu Elisheva)

Kann ich helfen?

 

Der Moderator:

Moment mal, diese Dame ist doch überhaupt nicht…

 

Elisheva:

Ich suche Shmuel.

(kurze Pause)

 

Dr. Eini: (Verwundert zu Dr. Daltotkin)

Was ist denn das, ein post-struktureller Text?

 

Dr. Daltotkin:

Für meinen Begriff von Hermeneutik, ist das hier ein leichter Ansatz von…

 

Der Moderator:

Verzeihung, aber das ist kein Text.

 

Dr. Eini:

Ich bin ganz Ihrer Meinung, das ist kein Text.

 

Dr. Daltotkin:

Text ist das sicher nicht.

 

Der Moderator:

Verzeihung, ich bitte um Verzeihung.

 

Dr. Eini:

Da gibt es nichts zu verzeihen. (zu Dr. Daltotkin) Sie sucht Shmuel.

 

Dr. Daltotlin:

Wer ist Shmuel?

 

Elisheva:

Shmuel, mein Mann, er spielt hier…

 

Dr. Eini: (unterbricht sie) Schsch…

(zu Dr. Daltotkin) Es ist uninteressant, wer Shmuel ist.

 

Dr. Daltotkin:

Ich habe auch nicht gesagt, dass es interessant ist.

 

Dr. Eini:

Es interessiert kein Schwein, wer Shmuel ist.

 

Dr. Daltotkin:

Nein, kein Schwein.

 

Dr. Eini:

Interessiert es Sie, weshalb sie Shmuel sucht?

 

Dr. Daltotkin:

Warum sollte es mich interessieren, Josef? Warum sucht sie Shmuel?

 

Der Moderator:

Josef…

 

Dr. Eini:

Mich interessiert die intertextuelle Pathologie der anorexischen Poesie,

die sich in einer quasi poetischen Matrix darstellt, die vorgibt, die ultimative weibliche Klage zu exprimieren: Wo ist Shmuel!

 

Der Moderator: (zu Elisheva)

Sehen Sie, was Sie angerichtet haben?!

 

Dr. Eini:

Verzeihung. Würde ein russischer Staatsschauspieler jemals diesen Satz sagen: Ich suche Shmuel?

 

Dr. Daltotkin:

In a Russian theatre – never.

 

Der Moderator:

Aber diese Dame ist gar nicht im Stück.

 

Dr. Daltotkin: (zum Moderator)

Moment mal, wir sind doch hier, um zu sprechen, eine These zu entwickeln.
Ein bisschen Geduld, wenn ich bitten darf.

 

Dr. Eini: (zum Moderator, gleichzeitig mit Dr. Daltotkin)

Lassen Sie mich ausreden, ich habe Sie auch nicht unterbrochen.

Falls ich eingeladen wurde, um still da zu sitzen, kann ich gleich nach Hause gehen.

 

(Der Moderator geht verzweifelt zur Seite)

Dr. Eini: (Zum Publikum)

To be or not to be – a kingdom for a horse – und dann „Ich suche Shmuel? 

 

Elisheva: (die inzwischen auf die hintere Bühne gegangen ist, ruft)

Shmuel!

 

Dr. Eini:

Anstatt dass Orpheus nach seiner Euridike ruft, schreit hier eine Frau “Shmuel”!

 

Elisheva:

Shmuel!

Dr. Daltotkin: (mit einem ironischen Lächeln) Möchten Sie hier die Idee der Hölle in der griechischen Mythologie andeuten?

 

Dr. Eini:

Daltotkin… (Hebt die Hand, hüstelt, hebt sie über den Kopf) Der Tod galoppiert auf einem Pferd durch den Himmel. (zum Moderator) Die Bühne gehört ganz Ihnen.

 

Dr. Daltotkin: Sehen Sie mal, die Erläuterung setzt in dem Intervall zwischen Sprache und Bedeutung ein.

Können Sie sich vorstellen, dass ich mit meinem Bauch da durch kann?

Man muss es etwas breiter anlegen.

(Geht ab)

 

Der Moderator: (zum Publikum)

Ein kleiner, peinlicher Moment – aber wir müssen weitermachen.

 

Elisheva: (zum Moderator)

Wo ist mein Mann?

 

Der Moderator:

Wo sind Sie?

 

Elisheva:

Was heißt denn das? Ich bin hier.

 

Der Moderator:

Nein, Sie primitives Weib, Sie sind dort.

(Er deutet auf ihren Stuhl im Saal)

 

Elisheva:

Was heißt hier dort?

 

Der Moderator:

Das heißt, dass Sie hier alles durcheinander bringen, verstanden?

 

Elisheva:

Kein Wort.

 

Der Moderator:

Manchmal braucht man die Entfernung, verstanden?

 

Elisheva:

Kein Wort.

 

Der Moderator:

Schade, aber Sie werden es auf die harte Tour begreifen müssen.

Weil was von dort aus wie Freude aussieht, ist von hier aus ein Alptraum.

Wollen Sie nicht zurück auf Ihren Platz?

 

Elisheva:

Ich will meinen Mann.

 

Der Moderator: (zum Publikum)

Ich lade wieder die Stars des Chan Theaters ein, um den Freudentanz aufzuführen, und uns mit ihrer Freude anzustecken.

(Die Schauspieler treten auf und tanzen noch einmal den Freudentanz. Elisheva irrt zwischen ihnen herum und am Ende des Tanzes, als die Schauspieler abgehen, fällt sie auf die Knie, mit den Kopf in den Händen. Hinter ihr tritt Shmuel auf. Sie läuft zu ihm, ein Wandschirm wird vorbeigeschoben, Shmuel verschwindet und statt ihm taucht Happy auf. Sie wendet sich von ihm ab, ein weiterer Wandschirm wird vorbeigeschoben, statt Happy, taucht Vivi auf. Dies ist eine Art Tanz, ein Alptraum in dem Menschen und Situation sich ständig abwechseln. Am Ende sieht sich Elisheva wieder dem Moderator, auf der Bühne kniend, gegenüber)

 

Elisheva: (zum Moderator)

Wo ist mein Mann?

(Der Moderator zeigt auf die Kartenspieler. Sie dreht sich um. Der Moderator geht ab)


Bild 6 – Elisheva tritt ein

(Die vier Kartenspieler sind am Höhepunkt des Spiels)

 

Shmuel: (eröffnet)

Vier Damen!

(Er zieht das ganze Geld an sich)

 

Elisheva: (Betritt das Bild)

Shmuel!

 

Der Kommandant:

Wer ist das?

 

Shmuel:

Das ist meine Frau. Darf ich vorstellen.

 

Plotnik:

Woher kommt die denn her?

 

Der Kommandant: (zu Elisheva)

Sehr erfreut.

 

Shmuel:

Das ist der Kommandant.

 

Elisheva:

Sehr erfreut.

 

Shmuel:

Plotnik.

 

Elisheva:

Sehr erfreut.

 

3. Mann:

Der dritte Mann.

 

Shmuel:

Sie sind ihm während des Krieges in der Wüste begegnet. Er hat sein Gedächtnis verloren. Deshalb nennen sie ihn „der dritte Mann“.

 

Elisheva:

Sehr erfreut – komm nach Hause.

 

Shmuel:

Wie bist du hier hinein gekommen? (kurze Pause)
Freunde, ich muss gehen.  (Die Kartenspieler sehen ihn an. Pause)

Moment, ich bin hier in einer heiklen Situation.

(zu den Kartenspielern) Wir können was für morgen ausmachen.

 

Elisheva:

Nein, nicht morgen, es gibt kein morgen.

 

Shmuel:

Moment, Elisheva. (zu den Männern) Machen wir uns was für morgen aus, dann spielen wir noch eins.

Ich komme mit dem ganzen Geld.

 

Plotnik:

Morgen kann ich nicht.

Shmuel:

Dann übermorgen, Sonnabend.

 

3. Mann:

 Sonnabend spiele ich nicht.

(Er setzt eine Kippa auf den Kopf)

 

Der Kommandant:

Kaum hast du was gewonnen, und schon musst du los?

 

Plotnik:

Das passt nicht zu dir, Shmuel.

 

Elisheva:

Hören Sie mal, bei ihm ist es eine Obsession. Dieses Spiel ruiniert uns das Leben.

Er hat es Ihnen sicher nicht erzählt, aber wir haben schon mal unser Haus verloren.

Er hat es nicht unter Kontrolle. Es ist eine Obsession, ich flehe Sie an, lassen Sie ihn gehen.

 

Der Kommandant:

Sehen Sie mal, Madame, so etwas macht man nicht. Wir haben hier viel Geld verloren. Obsession – wir haben auch eine. Gibt es einen Menschen ohne?

Der hier kauft jeden Monat alles aus dem Tschibo Katalog.

Ist das etwa keine Obsession?

 

Plotnik:

Madame, ich habe diesen Monat einen Blutdruckmesser gekauft, der im Angebot war. Habe ich einen Blutdruck? Nein.

Brauche ich einen Blutdruck? Nein.

Ich habe ihn trotzdem gekauft. Was kann man machen – Obsession.

Und noch was – es stand dort – Lieferung binnen zehn Werktagen,
und ich habe schon am zweiten Tag dreimal angerufen, wo das Ding bleibt.

Was soll ich tun – und Sie erzählen mir was von Obsession?

 

Der Kommandant:

Ich komme gleich.

(Geht ab)

 

3. Mann:

Was hat er heute? 

 

Plotnik:

Und der dritte Mann – der weiß nicht, wie er heißt, wer seine Mutter ist, merkt sich aber alle Namen der neusten Modelle am Elektronikmarkt. Was sagen Sie dazu?

 

3. Mann: (Beginnt ganz ruhig, verliert langsam die Kontrolle)

Sony DSP, Monitor mit 29 Zoll, Panasonic, MV 651, JVC GED, Toshiba Starlight suntino, Sofortlieferung, Kühlschrank von General Electric, Normandy 340 Liter, Amana SBS 620 Liter + Kiosk SBS.

 

Plotnik: (Führt Mann 3 nach draussen)

Verstehen Sie mich jetzt?

 

3. Mann:

Minibar Klassik, warm / kalt, H20, abgerundeter Dampfabzug, Edelstahl LG, Lieferung in 72 Stunden…

(Sie gehen ab. Kurze Pause)

 

Elisheva:

Komm, lass uns gehen, hörst du?

 

Shmuel:

Hör mal, ich habe einen Haufen Kohle verdient. Das, was ich mir immer gewünscht habe, ist eingetreten Noch ein paar Minuten und wir haben für’s Leben ausgesorgt.  

Ich setze jetzt nur auf kleine Summen. Ich kann nicht mehr verlieren, als ich gewonnen habe. Danach verspreche ich dir, ich spiele nie wieder. Gib mir noch eine Stunde.

 

Elisheva:

Shmuel, du spielst nicht mal mehr eine Minute. Denk daran, so war es auch das letzte Mal in Jericho. Ich habe dir gesagt, lass uns gehen, und du hast gesagt, nur noch ein paar Minuten.

 

Shmuel:

Das war anders.

 

Elisheva:

Es war nicht anders. Ich habe dich angefleht, und du hast immer weitergespielt.

Du hast gedacht, dass du einen großen Wurf landest, und so für dein Leben ausgesorgt hast. Damals hast du auch gesagt, dass es das letzte Mal ist. Weißt du noch? (Sie küsst ihn) Weißt du noch?

 

Shmuel:

Das war anders.

 

Elisheva:

Es war nicht anders. Am nächsten Tag hatten wir kein Haus mehr.

Weißt du noch, du hast unser Haus verspielt.

 

Shmuel:

Ja, ich weiß.

 

Elisheva:

Möchtest du, dass es wieder geschieht? (Kurze Pause) Lass uns gehen.

(Er zögert. Nähert sich dem Tisch, nimmt das Geld. Plotnik und Mann 3 treten auf. Er friert.)

 

3. Mann:

Schon wieder hatte ich einen Anfall. Ist der Kommandant noch nicht zurück?

(Shmuel setzt sich an den Tisch. Auch Plotnik und Mann 3 setzten sich)

 

Elisheva:

Shmuel.

(Shmuel steht auf und gibt Elisheva die Hand. Sie wenden sich zur Tür. DieTür geht auf. Sie bleiben stehen. Der Kommandant tritt ein, tritt auf Shmuel zu, Shmuel weicht zurück, der Kommandant setzt sich an den Tisch. Die Drei sehen Shmuel an, Plotnik teilt)

 

Shmuel: (zu Elisheva)

Warte unten auf mich.

 

Elisheva:

Ich warte nicht unten. Ich rühre mich hier nicht vom Fleck.

 

Shmuel:

Elisheva, ich bitte dich…

 

Elisheva:

Nein.

 

Shmuel:

Noch fünf Minuten, du siehst doch, was hier los ist.   

 

Elisheva: (tritt an den Tisch)

Hören Sie mir kurz zu. Ich bitte Sie. Sie haben Recht, es ist unfair zu gehen, nachdem er so viel gewonnen hat. Er lässt das gesamte gewonnene Geld hier und wir gehen.

 

Shmuel:

Ich lasse doch nicht das ganze Geld hier!

 

Elisheva:

Dann komm, ohne das Geld hier zu lassen, auf Wiedersehen.

(Sie versucht, ihn and der Hand zu ziehen)

 

Der Kommandant:

Einen Moment mal. Was heißt denn hier „auf Wiedersehen?“

Ich werde Ihnen gleich „auf Wiedersehen“ sagen, und zwar aus dem Fenster.

Madame, Sie spielen hier mit dem Feuer.

Wir können zwar sehr nett sein, bis wir plötzlich aufhören, nett zu sein.

Und dann sind wir gar nicht mehr nett. Verstehen Sie.

Sie setzten sich wieder. Shmuel setzt sich zu ihnen)

 

Der Moderator: (tritt von rechts auf)

Kann ein Mensch nicht einfach auf seinem Stuhl sitzen bleiben und zusehen.

Da beginnen alle Probleme der Menschheit.

Wir müssen uns leider von diesem Bild trennen, das vielversprechend war, bevor diese Dame hier…

Egal, wir verlassen den Keller. Wir gehen sechzehn Stufen hinauf, in den ersten Stock.

Und wir kommen zu dem Moment, in dem Happy, der Sohn, endlich etwas bemerkt.

(Wandschirmwechsel)


Bild 7 – Der Abschied

 

(Musik. Der Junge führt den Vater, der sich an ihn lehnt, zu einem Holzschemel und setzt ihn darauf. Neben dem Schemel, eine Schüssel mit Wasser. Er wäscht ihn mit einem Tuch. Dann taucht er das Tuch in die Schüssel und wäscht dem Vater den Kopf. Die Hände des Vaters bewegen sich. Happy nähert sich langsam, sieht seinen Vater verwundert an, bleibt stehen. Der Junge wäscht dem Vater weiter den Kopf mit Wasser, und wieder bewegen sich seine Hände. Der Junge reicht Happy die Schüssel. Er steckt seine Hand in die Schüssel und fährt damit dem Vater über das Gesicht. Der Junge tritt zurück und betrachtet den Vater. Der Vater steht langsam auf und nähert sich Happy. Er steckt seine Hand in die Schüssel und tropft Wasser auf den Kopf seines Sohnes. Happy lächelt. Der Vater wiederholt die Geste. Der Junge nähert sich ihnen, nimmt die Schüssel. Der Vater und Happy umarmen einander. Der Junge nimmt ein grosses weisses Badetuch von der Lehne des Rollstuhls und legt es dem Vater um die Schultern. Er legt ihm die Hand auf die Schulter, entfernt ihn von seinem Sohn und führt ihn in den hinteren Teil der Bühne. Der Vater bleibt stehen und sieht Happy an. Der Junge führt ihn weiter. Der Vater bleibt wieder stehen, sieht Happy an. Er hängt ein Eck des Badetuchs auf die Lehne des Rollstuhls, während der Junge das andere Eck festhält. Der Vater versteckt sich hinter dem Badetuch. Licht scheint von hinten auf. Ein Kinderstimme singt das Lied, dass der Junge vorhin gesungen hat, während der Vater ein Schattenspiel mit den Händen aufführt. Das Lied hört auf, das Licht erlöscht. Der Vater steht auf, der Lunge wickelt ihn wieder in das Badetuch. Beide wenden sich, um die Bühne zu verlassen, der Vater dreht sich zu Happy mit einer Geste des Lebewohl. Ein Wandschirm wird vorbeigeschoben – der Vater verschwindet. Der Junge erscheint, als glücklicher Engel. Der Junge dreht sich um und geht ab. Happy nähert sich dem Rollstuhl, kniet davor hin und legt den Kopf darauf.)


Bild 8 – Schmuel verliert

 

(3. Mann und Shmuel sitzen am Tisch, wie bei Bild 3, Plotnik steht vorne links auf der Bühne und zählt sein Geld, der Kommandant steht vorne rechts auf der Bühne und blickt nach oben. Elisheva beobachtet sie von hinten)

 

Plotnik:

Wie viel hast du schon gewonnen?

 

Der Kommandant:

15,000.-

 

Plotnik: (zu 3. Mann)

Und du?

 

3. Mann:

10,000.- Und du?

 

Plotnik:

80,000.-

(Die drei lachen)

 

Shmuel:

Wartet, die Nacht ist noch jung.

 

Der Kommandant:

Hast du schon ausgeteilt?

 

Shmuel:

Ja.

(Der Kommandant setzt sich)

 

Elisheva: (zu Shmuel)

Soll ich dir was zu trinken machen? (zu Plotnik) Kann ich ihm was zu trinken machen?

 

Plotnik:

Die Küche ist dort.

 

Elisheva: (zu Shmuel)

Ich mache dir einen Tee.

 

Der Kommandant:

Für mich einen Kaffee.

 

Plotnik:

Auch für mich auch einen. (setzt sich)

 

3. Mann:

Ich habe Hunger.

 

Elisheva:

Ich kann was machen. (zu Plotnik) Haben Sie Gemüse hier, oder…

 

Plotnik:

Sehen Sie im Kühlschrank nach.

(Elisheva geht ab)

 

3. Mann:

Zwei.

(Shmuel teilt)

 

Plotnik:

Zwei.

(Shmuel teilt)

 

Der Kommandant:

Eins.

(Shmuel teilt)

 

Shmuel:

Ich drei.

(Nimmt sich die Karten)

 

3. Mann: (legt hin)

Tausend.

 

Plotnik: (legt hin)

Deine Tausend und noch Zweitausend.

Der Kommandnat: (legt hin)

Deine Zweitausend und noch Viertausend.

(Pause)

 

Shmuel:

Bitte.

 

3. Mann: (legt hin)

Eure Sechstausend und noch Sechstausend.

 

Plotnik: (legt hin)

Bitte.

 

Der Kommandant: (legt hin)

Deine Sechstausend und noch Sechstausend.

 

Shmuel: (legt hin)

Bitte.

 

3. Mann: (legt hin)

Bitte.

 

Plotnik:

Bitte.

 

Der Kommandant:

Du bist dran.

 

3. Mann:

Full King.

 

Shmuel: (Greift sich and den Kopf und schreit)

Scheiße.

 

Plotnik:

Full As.

 

3. Mann: (Schmeisst seine Karten wütend hin)

Ach...

 

Der Kommandant:

Das passiert.

(Sammelt das Geld ein)

 

Plotnik:

Was ist das? (zu Mann 3) Ein glücklicher Mensch.

(Elisheva tritt auf mit einem Tablett in der Hand und darauf 3 Tassen)

 

Elisheva:

Die Getränke.

(Sie serviert Shmuel den Tee und Plotnik und dem Kommandanten den Kaffee)

 

Elisheva:

Ich mache einen Salat und Eier. Wer möchte was?

 

3. Mann:

Ein Rührei..

 

Plotnik:

Ein Spiegelei aus zwei Eiern. Und dass die Dotter ganz bleiben.

 

Der Kommandant:

Für mich ein Rührei.

 

Elisheva: (zu Shmuel)

Hast du noch Geld?

 

Der Kommandant:

Wer teilt aus?

 

3. Mann:

Ich.

(Teilt aus)

 

Elisheva: (zu Shmuel)

Ich mache dir ein Rührei, so wie du es magst, ja?

(zu allen) Kann ich Zwiebel in den Salat tun?

 

Die Drei: (gleichzeitig)

Ja, tun Sie nur.

(Elisheva geht ab. Es klingelt an der Tür)

 

Plotnik:

Wer kann das sein?

 

Der Kommandant:

Mach auf.

(Plotnik geht ab. Man hört die Tür auf und zugehen. Vivi tritt auf. Plotnik folgt ihr. Vivi blickt sich im Raum um, betrachte die Menschen)

 

Der Kommandant:

Darf ich vorstellen – die Nachbarin von oben.

 

Vivi:

Vivi.

 

Shmuel:

Sehr erfreut, Shmuel.

 

Plotnik:

Plotnik.

 

3. Mann:

Der dritte Mann.

(kurze Pause)

 

Der Kommandant:

Geh mal deiner Frau in der Küche helfen.

(Shmuel geht ab)

 

Vivi: (setzt sich)

Es geht um meinen Mann.

(kurze Pause)

 

Der Kommandant:

Die Dame hat mit mir geredet. Sie braucht unsere Hilfe.

Ich habe ihr gesagt, dass wir seit der Armee unsere Erfahrungen haben.

(kurze Pause)

 

Plotnik:

Wo ist der Ehemann?

 

Vivi:

Bei seinem Vater, einen Stock höher.

Der Kommandant:

Macht es euch was aus, ihn herzuholen?

(Mann 3 und Plotnik gehen ab. Elisheva tritt auf, ein Tablett in der Hand darauf Teller, Eier und Salat)

 

Elisheva:

Das Essen ist fertig.

(Shmuel tritt auf, sieht sich um. Auch Elisheva ist überrascht über die veränderte Situation im Raum)

Soll ich noch einen Teller herbringen?


Bild 9 – Liquidierung

 

(Musik. Happy kniet neben dem Rollstuhl des Vaters. Plotnik und Mann 3 treten auf. Sie betrachten Happy.)

 

Plotnik:

Er ist groß.

 

3. Mann:

Ein Messer an der Kehle und er ist es nicht mehr.

(Zückt ein Messer)

 

Plotnik:

Stimmt.

(Sie nähern sich Happy. Plötzlich hören sie Lärm von rechts)

 

Der Moderator: (von draussen)

Das ist unmöglich, nicht jetzt, es geht nicht.

 

3. Mann: (zu Plotnik)

Hier ist jemand.

(Die Musik hört auf. Mann 3 geht schnell ab. Plotnik kommt näher und guckt in Richtung der Stimmen. Man hört die Stimme des Moderators)

 

Der Moderator: (von draussen, wie flüsternd)

Nicht jetzt, ich bitte Sie, nicht jetzt.

 

Plotnik:

Verdammte Scheiße!

Der Moderator: (Tritt auf, spricht zu jemandem hinter den Kulissen)

Ich werde Sie nach dieser Szene hineinbitten.

(Blickt verzweifelt um sich. Plotnik sieht ihn an, zieht sich nach hinten auf die Bühne zurück und versteckt sich)

 

Der Modertor: (zu Happy, der den Kopf gehoben hat)

Die Mörder sind gerade unterwegs. 

(zum Publikum) In ein paar Sekunden werden Sie Zeugen einer Mordszene, erstaunlich und brutal.

Das ahnungslose Opfer weiß nicht, dass es im nächsten Augenblick ein Messer in seinen Rücken gerammt wird.

(Dr. Eini tritt auf, der Moderator drängt ihn zurück)

Ich bitte Sie, warten Sie noch eine Szene ab.

 

Dr. Eini: (rankt mit ihm)

Verzeihen Sie, aber wir hatten vereinbart, dass wir das Stück begleiten.

 

Der Moderator:

Aber wir sind gerade mitten in einer sehr spannenden Szene.

 

Dr. Eini: (reisst sich vom Griff des Moderators los)

Gerade deshalb. (ruft nach draussen) Daltotkin!

(zum Moderator und zum Publikum) Hier ist ein bedeutungsvolles Bild für das Narrativ. Der Vater ist tot.

Der Sohn liegt zu Füßen des leeren Rollstuhls, und zum ersten Mal in seinem Leben steht er vor der großen Leere, die sein Superego hinterlassen hat.

Die Sehnsucht des Kindes, von der Brust des Vaters zu saugen.

Können wir es gestatten, dass dieses Bild der fetischistischen Einsamkeit keinen Prozess der Dekonstruktivität durchmacht?

 

Der Moderator:

Draussen warten zwei Kriminelle um ihn zu ermorden. Das Publikum hat jetzt keine Lust auf ihr Gerede.

 

Daltotkin: (tritt auf)

Worum geht es?

 

Dr. Eini:

Wo sind Sie, wenn man versucht, uns den Mund zu verbieten?

 

Dr. Daltotkin:

Ich war auf der Toilette.

 

Der Moderator:

Sehen Sie mal, ich will ganz offen zu Ihnen sein.

Wir befinden uns kurz vor einer Mordszene. Die Zuseher sind angespannt.

Ich bitte Sie nun dringlichst, die Bühne zu verlassen.

 

Dr. Eini:

Wir verlassen sie nicht.

Der Moderator:

Was heißt das?

 

Dr. Daltotkin: (zusammen mit Dr. Eini)

Sie haben uns eingeladen, das Stück mit unseren Kommentaren zu begleiten.

Und das werden wir auch tun. Wir sind nicht Marionetten, die man einlädt, um schweigend zuzusehen und zu nicken.

Wir haben eine volle interdisziplinäre Agenda. Wir wollen kein multifokales Bild auf einer Matrix zeigen, das Sie vor Ihrer imaginären Gemeinde darstellen wollen.

 

Dr. Eini: (zusammen mit Dr. Daltotkin)

Das ist ein öffentliches Theater, das einer bestimmten Kultur verpflichtet ist, einem minimalen Niveau von Intertextualität.

Und aus diesem Grund haben Sie uns eingeladen, die dekonstruktive Poetik Ihres Stückes zu erläutern, und das werden wir nun auch tun.

(Kurze Pause)

 

Der Moderator:

Verfickte Scheiße. Verfickte Hurensöhne. Ich scheiß drauf, was Sie vom Stück halten.

 

Dr. Daltotkin: (hochnäsig)

Das Stück interessiert uns nicht.

 

Der Moderator:

Es interessiert mich nicht, dass das Stück Sie nicht interessiert.

 

Dr. Daltotkin:

Es interessiert mich nicht, dass es Sie nicht interessiert, dass uns das Stück nicht interessiert.

(zu Dr. Eini) Es ist unter meiner Würde, mich mit ihm zu befassen.

(zum Moderator) Ich bin regelmäßig Gastkommentator im Kulturjournal auf Kanal 17.

Morgens um sechs Uhr zwanzig, Wiederholung um zwei Uhr nachts.

Habe ich das hier nötig? Es war sehr amüsant.

(geht ab)

 

Dr. Eini: (zum Moderator)

Kränken Sie sich nicht, es geht hier um einen degenerierten Menschen.

 

Der Moderator:

Das erzählen Sie mir?

 

Dr. Eini: (zum Moderator und zum Publikum)

Wenn ich ein bedeutungsvolles Kunstwerk betrachte…

 

Der Moderator: (am explodieren)

Nicht jetzt!

 

Dr. Eini:

Bin ich stets dankbar. Denn jedes Kunstwerk ist ein Teil des endlosen Kampfes ums Leben.

Und der große Künstler hilft uns, die schwere Last zu ertragen.

Er reicht uns die Hand bei der existenziellen Qual, dieser ermüdenden und grausamen Bürde.

 

Der Moderator:

Danke, das rührt mich sehr.

 

Dr. Eini: (zum Moderator)

Bei Ihrem Stück trifft das absolut nicht zu.

 

Der Moderator:

Nein?

 

Dr. Eini:

Nein. (Dr. Daltotkin tritt von hinten auf, ein Messer in der Hand) Weil das kein Stück ist. Es ist ein intertextuelles Chaos.

Alles ist zufällig, es gibt keinen unbedingten Zusammenhang zwischen Wort und Handlung. Chaos.

(Er hebt die Hand über den Kopf. Plotnik nähert sich Dr. Eini und sticht ihm das Messer in den Rücken. Dr. Eini stöhnt während er zusammenbricht, mit der Hand über dem Kopf) Der Tod galoppiert auf einem Pferd durch den Himmel.

(Er fällt)

 

Der Moderator: (der bisher Plotnik nicht bemerkrt hatte, hysterisch)

Was ist das? Was haben Sie getan? Haben Sie ihn umgebracht?

 

Plotnik:

Er hat meine Arbeit aufgehalten.

 

Der Moderator:

Aber was mache ich jetzt mit ihm? Was mache ich mit der Leiche.

Plotnik:

Ich lasse ihn verschwinden.

 

Der Moderator:

Dann machen Sie schon, um Himmel Willen! Dieses Stück heißt „Happiness“ – man kann uns wegen Vorspiegelung falscher Tatsachen anzeigen!

(Plotnik zieht die Leiche von der Bühne)

 

Plotnik:

Der dritte Mann kümmert sich um den zweiten. Wie heißt er?

 

Der Moderator:

Dr. Daltotkin?

 

Plotnik:

Der, der die Klospülung nicht zieht.

(Geht ab)

 

Der Moderator: (Wischt sich den Schweiss von der Stirn)

Gut – eine kleine Verzögerung in diesem Bild. Lassen wir also den armen Happy mit seiner Trauer und begeben wir uns wieder in den Keller.


Bild 10 – Das Essen ist fertig

 

(Der Tisch ist gedeckt. Der Kommandant und Vivi essen. Elisheva bringt noch etwas zu Tisch. Shmuel steht hinten)

 

Der Kommandant: (zu Elisheva und Shmuel)

Macht es Ihnen etwas aus, in der Küche zu warten.

(Shmuel und Elisheva gehen ab)

 

Vivi:

Schade, dass es keinen Wein gibt.

 

Der Kommandant:

Trinken Sie keinen Wodka?

 

Vivi:

Ich kann es versuchen.

(Trinkt, schüttelt sich. Die Tür geht auf. Plotnik zieht die Leiche von Dr. Eini herein. Der Kommandant blickt ihn an)

 

Plotnik:

Entschuldigen, dass ich störe, ich bringe ihn nur in die Küche.

 

Der Kommandant:

Wer ist das?

 

Plotnik:

Einer, der uns gestört hat.

(Geht mit der Leiche ab)

 

Vivi:

Das ist aber ein Typ, dieser Plotnik.

 

Der Kommandant:

Seit dem Militär sind wir zusammen.

(Kreuzt seine Finger. Elisheva und Shmuel kommen aus der Küche)

 

Elisheva: (erschüttert, zum Kommandanten) Verzeihung, das mit der Leiche fällt mir schwer.

 

Der Kommandant:

Geht in das andere Zimmer.

 

Shmuel: (zum Kommandanten)

Wir spielen später weiter, ja?

 

Der Kommandant:

Warum nicht, die Nacht ist noch lang.

(Shmuel und Elisheva gehen ab)

Der Kommandant: (ruft ihnen nach)

Tür zu.

(Plotnik tritt auf)

 

Plotnik:

Ich geh nachsehen, was mit dem anderen ist.

 

Der Kommandant:

Was ist mit dem Ehemann?

 

Plotnik:

Eins nach dem anderen. Ich habe nur zwei Hände.

(Geht ab. Die Tür wird geschlossen)

 

Vivi:

Was habt ihr in der Armee gemacht?

 

Der Kommandant:

Was wir in der Armee gemacht haben? (Kurze Pause)  Wir waren Pioniere.

 

Vivi:

Pioniere?

 

Der Kommandant:

Pioniere. Sehr früh am Morgen sind wir melken gegangen, nach dem Frühstück sind wir die Felder pflügen gegangen.

(er singt) Die schönen Felder unseres Landes.

Mittags dann zur Orangenernte, am Abend dann im Club – Diskussionen über Ideale und Werte. Und dann wieder in den Kuhstall, zum nächtlichen Melken.

(singt) Sammelt euch am Morgen

In der Nacht haben wir ein Lagerfeuer gemacht, gesungen und getanzt.

(steht auf)

Wissen Sie, woran ich mich aus meiner Militärdienstzeit am besten erinnern kann? An den Geruch. Der Geruch der Erde nach dem Regen. Der Geruch des Weizens nach der Ernte.

(Die Tür geht auf. Mann 3 zieht Dr. Daltotkin herein)

Die Blüte der Orangenhaine, der Geruch der Kühe – überhaupt morgens aufzustehen.

 

3. Mann: (während er die Leiche zieht)

Wo soll ich ihn hintun?

 

Der Kommandant:

In die Küche.

(3. Mann  zieht die Leiche in Küche und geht ab)

 

Der Kommandant: (zu Vivi)

Morgens aufstehen, aus dem Zimmer an die frische Luft zu treten, zu den Bäumen, dem Rasen – da kann man so richtig auftanken.

(3.Mann tritt auf)

 

Der Kommandant: (zu 3. Mann)

Gibt es noch welche?

3. Mann:

Nur noch den Mann.

 

Der Kommandant:

Und?

 

3. Mann:

Ja, ja.

(Geht ab. Die Tür schliesst)

 

Der Kommandant:

Möchten Sie noch etwas?

 

Vivi:

Einen Kaffee vielleicht.

 

Der Kommandant:

Wie heisst sie doch gleich. (ruft) He, Sie da!

(Pause)

Hallo!

(Elisheva tritt auf. Shmuel folgt ihr)

Noch einen Kaffee für die Dame!

 

Elisheva:

Ich kann nicht in die Küche.

 

Der Kommandant:

Nicht können? Was soll das heißen? Man bestellt einen Kaffee.

 

Shmuel:

Ich mach einen.

(Er geht in die Küche)

 

Der Kommandant: (zu Elisheva)

Und den Tisch können Sie wohl auch nicht abräumen?

(Elisheva räumt den Tisch ab)

 

Vivi:

Danke schön.

(Pause)

 

Der Kommandant:

Wir könnten im anderen Zimmer auf den Kaffee warten.

(Sie treten ab. Shmuel tritt auf, Elisheva setzt sich und weint)


 

Bild 11 – Elisheva und Shmuel

 

(Elisheva weint heftig. Shmuel geht zu ihr und legt ihr zögernd die Hand auf die Schulter)

 

Shmuel:

Willst du gehen?

 

Elisheva:

Wenn ich dich hier lasse, werde ich keine ruhige Minute haben.

Und wenn dir was geschieht, werde ich mein Leben lang ein schlechtes Gewissen haben.

 

Shmuel: (umarmt sie)

Jedes Mal, wenn ich dich belogen habe und spielen gegangen bin, gespielt und verloren habe, da habe ich mir gesagt:

Ich werde so viel Geld verdienen, dass wir bis an unser Lebensende in Ruhe leben können, und du dir alles kaufen kannst, was du möchtest.

 

Elisheva: (unterbricht ihn und dreht sich weg von ihm)

Du hast nur an dich gedacht.

(kurze Pause)

 

Shmuel:

Das ist nicht wahr.

 

Elisheva:

Oh doch.

 

Shmuel:

Ich habe an dich gedacht.

 

Elisheva:

Nur an dich.

 

Shmuel:

Ich liebe dich, ich liebe dich mehr, alles andere.

 

Elisheva:

Shmuel, das ist eine seltsame Liebe.

 

Shmuel:

Du bist undankbar.

(Der Kommandant kommt aus dem Zimmer)

 

Der Kommandant:

Entschuldigen Sie, der Lärm ist sehr störend.

 

Shmuel: (leiser aber wütend)

Immer wenn du mir das Spielen verbieten willst, hasse ich dich.

(kurze Pause)

 

Elisheva:

Unsere Tochter hat letzte Woche zu mir gesagt:

Ist es das, was aus mir und meinem Mann mal werden soll? Das hier?

So ein seltsames Ringen nach Geld?

 

Shmuel:

Ich liebe sie, aber viel Freude hat sie auch nicht gebracht. Eher Sorgen, Frustrationen und Enttäuschungen.

 

Elisheva:

Da bleibt also nur das Geld?

 

Shmuel:

Es geht nicht ums Geld.

 

Elisheva:

Nicht ums Geld? Wem läufst du sonst hinterher?

 

Shmuel:

Vor ein paar Tagen habe ich geträumt, dass ich dich in einem Spiegellabyrinth suche.

Ich entdecke dich und eile auf dich zu, und da renne ich eine Scheibe. Du bist eigentlich hinter mir.

 

Elisheva:

Du machst mich unglücklich. Du ruinierst mir mein Leben.

 

Shmuel:

Ich wollte, dass du glücklich wirst.

 

Elisheva:

Du hast mich unglücklich gemacht!

 

Shmuel: (zu sich selbst)

Wer glücklich sein will, darf seine Frau nicht im Spiegel suchen.

(kurze Pause)

 

Elisheva:

Shmuel.

 

Shmuel:

Ja.

 

Elisheva:

Du weißt – wir sind erledigt, wenn wir jetzt nicht aufstehen und gehen.

 

Shmuel:

Warum?

 

Elisheva:

Du wirst wieder alles verlieren.

 

Shmuel:

Ich habe schon alles verloren, jetzt kann ich nur noch gewinnen.

 

Elisheva: (lacht verzweifelt)

Wie kann ein so kluger Mann so blöd sein? Du wirst weiter verlieren, alles verlieren.

Sie werden dir die Haut abziehen. Sie werden uns nicht so einfach gehen lassen, nach allem, was wir hier gesehen haben.

 

Shmuel:

Ich kann jetzt nicht gehen, nachdem ich das ganze Geld verloren habe.

Es kann doch nur besser werden, es kann nicht mehr schlimmer werden.


Bild 12 – Happy

 

(Im Keller. Shmuel und Elisheva beim Tisch. Plotnik und Mann 3 stürzen ins Zimmer)

 

Plotnik:

Wo ist der Kommandant?

(Der Kommandant kommt aus dem Zimmer. Vivi hinter him)

 

3. Mann:

Verschwunden.

 

Der Kommandant:

Verschwunden?

 

Plotnik:

Nicht hier und nicht dort.

 

Der Kommandant: (zu Vivi)

Wir warten. (Geht zum Tisch, nimmt den Wodka, zu Vivi) Noch ein Wodka?

(Ein Wandschirm wird vorbeigeschoben)

 

Der Moderator: (tritt auf)

Dr. Eini und Dr. Daltotkin haben die Sache kompliziert gemacht.

Wir sehen uns veranlasst, die Zeit aufzuhalten und ein Bild zurück zu gehen,

um festzustellen, wie unser Happy verschwunden ist.

Zurück in den ersten Stock.

(Ein Wandschirm wird vorbeigeschoben. Die Wohnung des Vaters. Happy liegt mit dem Kopf auf dem Rollstuhl. Der Junge tritt vom hinteren Zimmer auf)

 

Der Junge:

Happy

(kurze Pause)

 Happy, stehen Sie auf.

(Happy hebt den Kopf und blickt den Jungen an)

Ihre geliebte Frau wird von einem verrückten Traum gequält.

Zwei Verrückte sind im Anmarsch, um Sie zu töten, stehen Sie auf.

(Happy steht auf, sie drehen sich um und wollen gehen. Die Tür geht auf. Sie bleiben stehen, gehen nach hinten und verstecken sich. Mann 3 und Plotnik terten auf)

 

Plotnik:

Wo ist er?

 

3. Mann:

Er muss hier sein.

(Musik. Hier kommt es zu einer Suchszene. Eine Verfolgung wie in einem Slapstickfilm. Die zwei Verfolger teilen sich auf und suchen Happy in der Wohnung. Happy und der Junge versuchen aus der Wohnung zu entkommen, stossen aber jedes Mal auf einen der Verfolger und verstecken sich wieder. Irgendwann zückt Mann 3 ein Telefon und wählt. Draussen hört man ein Klingeln)

 

Plotnik: (von draußen)

Hallo?

 

3. Mann:

Hallo, Plotnik, wo bist du?

 

Plotnik (von draussen)

Wer ist da?

 

3. Mann:

Der dritte, wer sonst?

 

Plotnik: (von draussen)

Ach so, wie geht’s?

 

3. Mann::

Wo bist du?

 

Plotnik: (von draussen)

Im Badezimmer.

 

3. Mann:

Hast du was gefunden?

 

Plotnik: (von draussen)

Ich kann dich nicht hören.

 

3. Mann: (hängt ab)

Wo ist das Badezimmer?

(geht ab)

 

Plotnik: (tritt auf)

Hallo? Hallo! (Happy tritt auf. Zu Happy) Man kann nichts hören.

Komm her! (Happy läuft davon, er läuft ihm nach)

(Am Ende der Verfolgungsjagd treffen sich Plotnik und Mann 3)

 

3. Mann:

Du hast ihn verloren.

 

Plotnik:

Ich habe ihn verloren?

 

(3. Mann deutet auf die Tür und geht ab)

 

Plotnik:

Warum schreist du?

(Gehen ab. Ein Tür fällt zu. Happy und der Junge kommen aus ihrem Versteck)

 

Happy:

Wo ist meine Frau?

 

Der Junge:

Im Keller.

 

Happy:

Im Keller? Kommen Sie, ich habe eine Idee.

(Gehen ab. Ein Wandschirm wird vorbeigeschoben)

 

Der Moderator:

Wir kehren auch in den Keller zurück, und nähern uns dem Höhepunkt.

Happy greift zur Offensive.

(Ein Wandschirm wird vorbeigeschoben. Der Keller. Plotnik und Mann 3 sitzen, Shmuel räumt den Tisch ab, Elisheva steht hinten, der Kommandant und Vivi trinken Wodka)

 

Der Kommandant:

Interessant wo er hin ist, dein Mann.

(Shmuel geht in Küche. Ein Läuten an der Tür. Pause. Plotnik und Mann 3 stehen auf. Shmuel bleibt stehen)

Mach auf.

(Plotnik geht und öffnet die Tür. Der Junge tritt auf. In der Hand ein Schuh. Plotnik folgt ihm)

 

Der Junge: (zu Vivi)

Entschuldigen Sie bitte, gehört dieser Schuh Ihnen?

 

Der Kommandant:

Wer ist das?

 

Vivi:

Ich denke schon.

 

Der Junge:

Ihr Mann, Happy, hat ihn gefunden, und hat mich gebeten, Ihnen den Schuh anzuziehen.

(Der Junge zieht ihr den Schuh an. Shmuel kommt aus der Küche zurück) Sie sind Happys Frau.

 

Der Kommandant:

In Kürze seine Witwe.

 

Vivi:

Wo ist mein Mann?

 

Der Junge:

Unterwegs. 

 

Der Kommandant: (zu Plotnik)

Gib mir die Pistole.

Plotnik geht ab. Der Kommandant zum Jungen)

Wo ist er?

(Fasst ihn am Kragen)

Wo ist er?

(Pause)

 

Der Junge: (Dreht sich weg)

Blasen Sie mich bitte nicht so an.

 

Der Kommandant:

Stinke ich etwa?

 

Der Junge:

Ich habe Angst, dass Sie mich anstecken.

 

Der Kommandant:

Womit? Ich bin nicht krank.

 

Der Junge:

Mit dem Tod.

(Der Kommandant lässt ihn los. Plotnik tritt auf, eine Pistole in ein Tuch eingewickelt in der Hand. Er schlägt das Tuch auf und reicht die Pistole dem Kommandanten)

 

Plotnik:

Es sind doch nur noch zwei Kugeln übrig.

 

Der Kommandant:

Das wird reichen. Nehmt ihn ins Nebenzimmer und überzeugt ihn zu verraten, wo der Mann sich befindet.

(Plotnik fasst den Jungen und stößt ihn in Richtung Zimmer)

 

Plotnik:

Wo ist er, dein Freund?

(Mann 3 und Plotnik ziehen den Jungen)

 

Der Junge: (zu Vivi)

Ich möchte durch die Enttäuschung das Versprechen erkennen.

 

Vivi:

Wo ist Happy?

 

Der Junge:

Unterwegs.

(Die drei treten ab. Ein Klingeln an der Tür)

 

Der Kommandant:

Shmuel, mach die Tür auf.

(Shmuel geh,t um zu öffnen, der Kommandant zückt die Pistole. Die Tür geht auf und wieder zu. Shmuel kommt zurück)

 

Shmuel:

Da ist niemand.

(kurze Pause)

 

Der Kommandant:

Dein Mann spielt mit uns.

(Vom anderen Zimmer hört man Schläge und einen unterdrückten Schrei vom Jungen)

 

Plotnik: (von draussen)

Wo ist er?

(Noch ein Schlag und ein stärkerer Schrei)

Wo ist er?

 

Der Kommandant:

Plotnik?

(Plotnik tritt auf)

 

Plotnik:

Was?

 

Der Kommandant:

Dreh die Musik an.

 

Plotnik:

Ich habe nur die alte Platte.

 

Der Kommandant:

Auch gut.

(Plotnik geht ab. Vom Zimmer kommen Schläge und Schreie)

 

Der Kommandant: (zu Vivi)

Möchtest du tanzen?

 

Vivi:

Warum nicht.

 

Der Kommandant: (zu Elisheva und Shmuel)

Könnte man bitte die Tanzfläche räumen?

(Shmeul schiebt den Tische und die Stühle zur Seite. Der Kommandant nähert sich Vivi. Man hört Schreie. Er ruft ins andere Zimmer)
Wo bleibt die Musik?

 

Plotnik: (von draussen)

Da ist sie schon.

(Vom anderen Zimmer ertönt ein altes Lied: “Der Tag wird kommen”, von einer zerkratzen Platte. Der Kommandant und Vivi tanzen. Während des Tanzes stößt Vivi an Elisheva, die ihr Gesicht mit den Händen bedeckt hat)

 

Vivi:

Ich bin betrunken.

(Aus dem anderen Zimmer kommen noch immer Schreie. Plotnik tritt auf)

 

Plotnik: (zu Shmuel)

Wie heißt sie?

 

Shmuel:

Elisheva.

 

Plotnik: (zu Elisheva)

Elisheva, macht es Ihnen was aus?

(Elisheva betritt zögernd mit ihm das andere Zimmer)

Der Kommandant: Während des Tanzes)

Wer ist der Junge, den dein Mann uns geschickt hat.

(Elisheva kommt aus dem Zimmer. Sie trägt Unterwäsche, ist sehr durcheinander und weint)

 

Shmuel:

Elisheva!

(Shmuel eilt zu ihr und versucht sie zu umarmen. Sie stößt ihn weg. Plotnik kommt aus dem Zimmer)

 

Der Kommandant:

Was ist das?

 

Plotnik:

Darf ich vorstellen, das ist Shmuels neue Frau.

(Mann 3 schiebt den Jungen ins Zimmer, der Elishevas Kleidung trägt)

 

Plotnik: (zu Shmuel)

Wie war doch gleich ihr Name?

 

3. Mann:

Elisheva – tanz mit ihr, Shmuel.

(Shmuel versucht wieder Elisheva zu umarmen)

 

Plotnik:

Du sollst mit ihr tanzen, sagt man dir!

(Plotnik geht zu Shmuel, zieht in von Elisheva weg und führt ihn zum Jungen. Shmuel steht da wie gelähmt, dann fällt er in Ohnmacht)

Elisheva: (eilt zu ihm)

Shmuel!

(Alle betrachten Shmuel am Boden. Plotnik geht zum Jungen)

Plotnik: (Zieht den Jungen an sich)

Gut, wenn niemand mit dir tanzen will, Elisheva, dann werde ich es tun.

(Er zwingt den Jungen brutal mit ihm zu tanzen. Hin und wieder schlägt er ihn und brüllt: “Wo ist er?” 3. Mann und der Kommandant klatschen dazu. Nach einiger Zeit:)

 

Der Kommandant: (zu 3. Mann:)

Dreh die Musik wieder aus.

(Mann 3 tritt ab, Die Musik hört auf. Der Kommandant nähert sich dem Jungen, der am Boden kauert)

 

Der Kommandant:

Ist doch schade, das ganze. Sag uns wo er ist, und Schluss.

(Mann 3 kommt zurück und nähert sich dem Jungen, so auch Plotnik)

 

Der Junge: (lächelt unter grosser Anstregung)

Über die Berge von Wäsche.

 

Der Kommandant:

Was?

 

Der Junge:

Über die Hügel des schmutzigen Geschirrs im Waschbecken.

 

Der Kommandant: (zu Vivi)

Verstehst du, was er sagt?

 

Vivi: (nähert sich)

Was wolltest du entdecken? Welches Versprechen hinter welcher Enttäuschung?

(Shmuel wacht langsam auf. Elisheva zieht ihn in Richtung Ausgang)

 

Der Junge:

Ich habe versucht Sie mit zwanzig zu sehen, als Sie sich in Ihren Mann, Happy, verliebt haben.

 

Vivi:

Was hast du gesehen?

 

Der Junge:

Ich habe nichts gesehen, der Rauch in der Küche hat alles verdeckt.

 

Plotnik:

Was redet er da?

 

3. Mann:

Ich habe nichts verstanden.

 

Der Junge: (zu Vivi)

Man wartet auf Sie mit dem Abendessen.

 

Der Kommandant:

Ganz schön frech.

 

Der Junge:

Ihr Mann, sein Vater, ihre Eltern. Es ist Ihr erster Hochzeitstag. 

(Es klingelt an der Tür. Pause. Shmuel und Elisheva bleiben versteinert stehen)

 

Der Kommandant: (zu Plotnik)

Mach auf.

(Er zückt die Pistole. Die Tür geht auf und wieder zu. Plotnik kommt zurück)

 

Plotnik:

Niemand da.

 

Der Kommandant: (mit einem Lächeln)

Er versucht etwas.

 

Elisheva:

Ich nehme ihn mit nach Hause.

(Plotnik versperrt den Weg)

 

Elisheva:

Lassen Sie uns gehen!

(Plotnik blickt zum Kommandanten)

 

Der Kommandant:

Lass sie gehen.

(Plotnik macht den Weg frei. Elisheva führt Shmuel vorsichtig)

 

Elisheva:

Komm, vorsichtig, wir gehen.

(Sie gehen in Richtung Ausgang. Der Kommandant reicht Mann 3 die Pistole und deutet ihm, ihnen zu folgen. Mann 3 geht ab. Der Junge steht auf und verdeckt sein Gesicht mit den Händen. Man hört einen Schuss, einen Schrei von Elisheva und Weinen. Mann 3 kehrt zurück und reicht dem Kommandanten die Pistole)

 

Der Kommandant: (zu Vivi)

Entschuldigen Sie, aber diese Geschichte wird mir zu schmutzig, ich will das nicht.

(zu Plotnik und Mann 3) Ich kämpfe um Vivis Liebe.

Gibt es einen gerechteren Krieg als diesen?

(Ein Läuten an der Tür)

 

Der Kommandant:

Verfolgt ihn, geht und findet ihn. In den oberen Stöcken, in den Höfen, kommt nicht ohne ihn zurück.

 

Plotnik und 3. Mann:

Jawohl!

(Sie gehen ab. Die Tür geht auf und zu. Von hinten hört man das Klirren einer Scheibe)

 

Der Kommandant: (zu Vivi)

Er versucht, durch das hintere Fenster hinein zu kommen.

(Zielt mit der Pistole auf den Jungen)

Geh ins Zimmer und mach die Tür hinter dir zu.

(Der Junge geht ab. Der Kommandant geht in Richtung des Lärms. Happy tritt auf, seine Hand in ein Tuch gehüllt. Weiss wie die Wand, zitternd)

 

Happy:

Hier bin ich, ich habe mich mit den Glasscherben verletzt. (Elisheva tritt auf, ihre Unterwäsche und Hände sind voll Blut. Pause. Zu Vivi)

Komm nach Hause, komm.

(kurze Pause)

Komm.

(Pause. Vivi geht nach hinten, in die Richtung in die der Kommandant gegangen ist. Happy hält sie fest, entfernt sie)

Was machst du? Willst du mich umbringen?

Hast du Killer geschickt? (zu Elisheva) Sie hat mir Killer nachgeschickt!
(zu Vivi) Wir sind doch verheiratet.

(kurze Pause, zu Elisheva) Sie sagt nie ein Wort, woher soll einer wissen, was in ihr vorgeht?

 

Vivi: (fast zu sich selbst)

„Nie ein Wort“? Bist du taub?

 

Happy: (zu Elisheva)

Was sagt sie? (zu Vivi) Möchtest du dich von mir trennen?
Dafür gibt es konventionellere Methoden. Möchtest du die Scheidung?

 

Vivi:

Mach hier bitte keine Szenen vor all den Leuten.

 

Happy:

Warum hast du nicht mit mir gesprochen? Warum hast du nicht gesagt, dass du dich trennen willst?

 

Vivi:

Ich bitte dich, schrei doch nicht so.

 

Happy:

Ist das ein Grund zum Töten?

 

Vivi:

Genug gejammert.

 

Happy: (zu Elisheva)

Gejammert? Sie hetzt mir die halbe Mafia auf den Hals, um mich los zu werden.

Sie hat alles vergessen…

(Elisheva dreht ihn zu Vivi)

Hast du die nächtlichen Spaziergänge vergessen? Die Umarmungen?

Als du mir sagtest, ich sei deine allergrößte Liebe?

 

Vivi:

Aber worüber willst du jetzt… Happy… Ich bitte dich…

 

Happy:

Lass mich ausreden, ich habe dich auch ausreden lassen.

Möchtest du alle Gedichte löschen, die ich dir geschrieben habe?

Alle Zettel, die du mir auf dem Kühlschrank hinterlassen hast?    

Alle Winternächte, die wir unter einer Decke verbracht haben, frierend und kichernd?

Den Teddybären, den ich dir gekauft habe? Unseren Hochzeitstag? Alle Reisen?

Weißt du noch, wie wir uns in diesem dunklen, gefährlichen Viertel in Paris verirrt haben? Hast du das kleine Kätzchen vergessen, das du nach Hause gebracht hast?

Wohin sind die vielen Küsse verschwunden? Alle Kaffeetassen, die ich dir ans Bett gebracht habe? All unsere Streitereien? Das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit! Weißt du eigentlich, was du hier anrichtest?

 

Vivi: (traurig)

Ganz schön demagogisch, was du hier aufzählst – die Gedichte, die Nächte, Paris, Katzen…

Ich kenne das schon. (zu Elisheva) Seine feine Mimik, das Lachen, die Witze, seinen Körper.

(Zu Happy) Ich kenne deinen Körper in und auswendig, Happy.

Man muss weiterkommen im Leben, du musst mich auch verstehen. Ich will glücklich sein.

(zu Elisheva) Er ist so egozentrisch. (zu Happy) Guck mal kurz in den Flur.

(Happy sieht in den Flur, erschrickt)

 

Happy:

Was ist das? Oh mein Gott, eine Leiche.

 

Elisheva:

Das ist Shmuel, mein Mann, Gott hab ihn selig.

 

Vivi:

Das ist ein Mann, der seine Frau betrogen hat.

 

Elisheva:

Moment mal.

 

Happy:

Ich betrüge dich nicht, ich habe dich niemals betrogen.

 

Vivi:

Happy, das ist nicht ganz richtig.

Du hast die Schuhe gefunden, die ich überall verstreut habe, und hast dir gedacht, die gehören sicher irgendeiner schönen Frau. Ich weiß es, und du weißt, dass ich es weiß, und ich weiß, dass du weißt, dass ich es weiß. Du hast dir gedacht, ich werde den Fuß für den Schuh finden, und nach dem Fuß kommt dann der Schoß, und am Ende, das Herz. Und selbst wenn dies noch kein richtiger Betrug war, es ist schon ein Beginn.

 

Elisheva:

Darf ich Ihnen etwas sagen?

 

Vivi:

Warten Sie bitte.

 

Elisheva: (zu Vivi)

Sie machen einen großen Fehler.

 

Vivi:

Was will die jetzt von mir?

 

Happy:

Hör ihr kurz zu, diese Frau hat Erfahrung.

 

Elisheva:

Liebe ist wie ein Berg, den man besteigen möchte. Haben Sie schon einen Bergsteiger gesehen, der mitten drin sagt: Nein, dieser Berg passt mir nicht, ich tausche ihn gegen einen anderen um? Für die Liebe entscheidet man sich ein einziges Mal. Und nach dieser Entscheidung gibt es kein zurück.

Verstehen Sie, Vivi, es gibt kein zurück. Wenn es sein muss, stürzt man, wie der Bergsteiger, in den Abgrund.

 

Vivi:

Und was ist mit dem Glück?

 

Elisheva:

Da ist Happy. Ich werde Ihnen von meinem Glück erzählen. 25 Jahre lang war ich mit diesem Mann dort verheiratet, der mich betrogen, belogen und verbittert hat.

Und als ich den Schuss hörte, war meine Wut im Nu verflogen.

Es ist nichts mehr von ihr da. Doch als ich mich zu ihm hinuntergebeugt habe, um ihn zu umarmen, da hatte er keinen Puls mehr. Tun Sie sich einen Gefallen. Warten Sie nicht auf den Tod, um Ihnen die Augen zu öffnet. Ich sehne mich jetzt schon nach ihm. Nach seiner feinen Mimik, seinem Lachen, den Witzen, nach seinem Körper, den ich in und auswendig gekannt habe. 

Wissen Sie, warum ich wütend war? Weil ich glücklich sein wollte.

Ich werde Ihnen was sagen, Sie dummes, verwöhntes Mädchen:
Es gibt nichts, dass uns unglücklicher gemacht hat, als der Wunsch, glücklich zu sein. Sie wollen glücklich sein – (sie deutet auf Happy) hier ist Happy.

Der Kommandant: (Tritt von hinten auf, mit gezückter Pistole)

Keine Bewegung! (zu Elisheva)  Geh ins andere Zimmer.

 

Elisheva:

Ich will nicht, Sie können mich erschießen.

Der Kommandant: (nähert sich ihr, die Pistole auf sie gerichtet)

Du hast Glück – ich habe nur noch eine Kugel, und die hebe ich für den Mann auf.

 

Happy: (zu Vivi, leise)

Ich fürchte mich nicht vor ihm, ich fürchte mich vor dir. (kurze Pause)

Ich habe plötzlich keine Angst mehr, zu sterben, sondern Angst vor dem, was stirbt.

(Der Junge kommt aus dem Zimmer, als Engel)

 

Happy: (zu Vivi)

Komm nach Hause.

 

Vivi:

Happy!

 

Happy: (Ohne seinen Blick von Vivi zu wenden)

Ja?

 

Elisheva:

Sie beginnen auf den Berg zu klettern.

Happy: (Ohne seinen Blick von Vivi zu wenden)

Ich weiß.

(Er nähert sich langsam Vivi)

 

Der Kommandant:

Keine Bewegung!

Happy:

Ich habe keine Angst, keine Angst.

 

Der Kommandant:

Halt!

 

Happy: (zu Vivi)

Komm nach Hause.

(Nähert sich Vivi)

 

Vivi:

Bleib stehen, er wird dich umbringen!

 

Happy:

Ich liebe dich!

(kurze Pause)

 

Vivi:

Das habe ich schon so lange nicht mehr gehört.

 

Happy:

Jetzt hörst du es.

 

Vivi:

Bleib stehen, bitte!

 

Happy: (nähert sich)

Ich nehme dich mit nach Hause, nichts kann mich aufhalten. Komm nach Hause.

 

Der Kommandant:

Wenn du sie anrührst, bist du ein toter Mann.

 

Vivi: (versteckt ihr Gesicht in den Händen)

Happy… Happy…

(Happy streckt Vivi sein Hand entgegen, der Kommandant schießt, Happy fällt. Der Junge tritt auf. Vivi stürzt sich auf Happy)

 

Vivi: (Hält seinen Kopf)

Happy, mein Happy…

(Der Engel schwebt langsam über ihnen)

 

Elisheva:

Der Tod galoppiert auf einem Pferd durch den Himmel.

(Lichter aus)


Epilog – Abendmahl

 

(Vivi schlummert neben dem gedeckten Tisch. Aus der Küche kommt Rauch. Eine Tür geht auf und wieder zu. Vivi wacht auf, der Techniker tritt auf.)

 

 

Der Techniker:

Ich habe die Schüssel in Ordnung gebracht, sehen Sie mal nach.

(Vivi drückt auf die Fernbedienung. Vom Fernseher kommt die Endmusik eines

Hollywoodfilms)

 

Vivi:

Gerade jetzt ist ein Film zu Ende gegangen.

(Vivi macht den Fernseher aus)

 

Der Techniker:

Verzeihen Sie, aber brennt da nicht was an?

 

Vivi: (erschrocken)

Die Suppe!

(Steht schnell auf und geht in die Küche)

 

Der Techniker:
Riecht ganz gut.

 

Vivi:

Ich glaube, die Suppe ist angebrannt.

 

Der Techniker:

Das macht gar nichts. Angebrannte Suppe ist auch Suppe.

Besser als Hotdog.

 

Vivi: (Tritt mit dem Essen ein)

Es ist schon spät, gleich kommen alle.

(Geht in die Küche)

 

Der Techniker:

Ich möchte nicht andeuten, dass Sie mich einladen müssen, denn selbst, wenn Sie mich einladen, kann ich höchst wahrscheinlich nicht bleiben.

Ich habe noch eine Reparatur. Nicht weit von hier.

(Kurze Pause. Vivi tritt schnell auf, stellt eine Schüssel Salat auf den Tische, läuft wieder hinaus)

Ich bin wie ein Doktor der alten Schule. Ich komme, heile und gehe.

Zwar ein Fernseh-Doktor, aber immerhin ein Doktor.

(Kurze Pause. Vivi tritt mit einem Korb Brot und einer Karaffe Wasser ein, stellt alles auf den Tisch, geht ab. Eine Tür geht auf und wieder zu. Happy tritt auf)

 

Happy:

Guten Tag.

(Der Techniker und Happy drücken Hände)

 

Der Techniker:

Guten Tag, sind Sie Herr Buganim?

 

Techniker:

Fast, ich wohne hier einen Stock tiefer.

 

Der Techniker:

Bei Ihnen habe ich schon was repariert, wer ist das, Ihr Vater?

 

Happy:

Ja, genau.

(Vivi tritt auf, bringt weitere Schüsseln)

 

Vivi:

Das Essen ist fertig. (zum Techniker) Bin ich Ihnen was schuldig?

 

Der Techniker:

Nein, das zahlt die Versicherung.

(Vivi tritt ab)

 

Happy: (In Richtung Küche)

Entschuldige die Verspätung, eine Nervensäge im Büro hat mich nicht gehen lassen.

 

Der Techniker:

Ich kenne das. Manchmal kommt einer nur wegen einer Kleinigkeit, und will dann nicht gehen.

 

Happy:

Ja… (In Richtung Küche) Brennt hier etwas?

 

Der Moderator:

Ja, die Suppe ist angebrannt.

(Vivi tritt auf und bringt Besteck)

 

Vivi:

Nein, alles ist in Ordnung.

(Verteilt das Besteck)

 

Der Techniker:

Gut, ich geh mal los. (Kurze Pause) Hat mir Appetit gemacht, das ganze.
Ich geh mir einen Hotdog kaufen. (Kurze Pause)   

Gut, dann danke.

 

Vivi: (winkt ihm zu)

Vielen Dank auch.

 

Der Techniker:

Auf Wiedersehen.

 

Vivi und Happy:

Auf Wiedersehen.

Der Techniker:

Falls es Probleme gibt, haben Sie ja meine Nummer.

 

Vivi:

Ja, ja.

 

Der Techniker:

Auf Wiedersehen.

(Der Techniker geht ab. Happy setzt sich an den Tisch)

 

Happy:

Ist alles fertig?

 

Vivi:

Alles ist fertig.

(Vivi geht ab)

 

Happy: (Riecht etwas. Zu sich selbst)

Etwas ist angebrannt.

(Es läutet an der Tür. Vivi von draussen)

Herein.

(Vivi tritt auf. Eine Tür geht auf und wieder zu. Der Vater tritt auf, einen Strauss Blumen in der Hand)

 

Happy:

Vater!

Der Vater:

Guten Abend.

 

Happy:

Vivi, mein Vater hat Blumen gebracht.

(Vivi tritt auf)

 

Vivi:

Guten Abend.

 

Der Vater:

Guten Abend.

(Sie küsst den Vater, nimmt ihm die Blumen ab)

Was für ein schöner Strauß. Ich stelle ihn gleich ins Wasser.

(Geht ab)

 

Der Vater: (riecht)

Ist etwas angebrannt?

 

Happy:

Ich denke nicht.

(Es läutet an der Tür)

 

Vivi: (von draussen)

Herein.

(Sie tritt auf. Eine Tür geht auf und wieder zu)

 

Happy:

Deine Eltern!

(Shmuel und Elisheva treten auf. Shmuel hält eine Flasche Wein)

 

Shmuel: (zum Vater)

Hallo.

 

Elisheva:

Hallo.

(Der folgende Text wird von allen zu allen gesagt. Elisheva küsst den Vater auf beide Wangen)

 

Happy:

Darf ich vorstellen, das ist mein Vater. Das ist Vivis Mutter, Elisheva.

(Händedruck)

 

Elisheva:

Sehr erfreut.

 

Der Vater:

Sehr erfreut.

 

Happy:

Das ist Vivis Vater – Shmuel.

 

Shmuel:

Sehr erfreut.

 

Der Vater:

Sehr erfreut.

(Lachen. Elisheva küsst Happy auf beide Wangen und umarmt ihn)

 

Elisheva:

Happylein…

 

Happy:

Elisheva…

 

Shmuel: (riecht)

Ist etwas angebrannt?

 

Der Vater:

Ich rieche gar nichts.

(Vivi tritt auf)

 

Vivi:

Papilein…(küsst und umarmt Shmuel) Das ist Happys Vater.

 

Alle:

Wir kennen uns schon.

(Vivi nimmt Shmuel den Wein ab. Küsst und umarmt Elisheva)

Mamilein, (zieht Elisheva in die Küche) ich glaube, die Suppe ist angebrannt.

 

Shmuel: (zu Happy)

Nach dem Essen spielen wir eine kleine Runde?

Happy:

Klar doch.

(Vivi und Elisheva kommen von der Küche zurück. Elisheva hält einen heissen Suppentopf in der Hand)

 

Elisheva:

Sie ist sehr gut geworden. (zu den Männern) Setzt euch, die Suppe wird kalt.

(Alle setzten sich an den Tisch, Elisheva und Vivi verteilen die Suppe)

 

Happy:

Bevor wir beginnen, möchten Vivi und ich euch etwas erzählen.

 

Alle:

Ahh…

(kurze Pause)

 

Happy: (zu Vivi)

Möchtest du es erzählen?

 

Vivi:

Erzähl’s du.

(kurze Pause)

 

Happy:

Vivi und ich ziehen zusammen.

 

Alle:

Wie schön!

Happy:

Und wir wollen auch heiraten.

 

Alle:

Gratuliere! Gratuliere! Endlich!

(Shmuel drückt dem Vater die Hand)

 

Shmuel:

Herzlichen Glückwunsch.

 

Der Vater:

Ja, durchaus.

 

Shmuel:

Ich hab’ schon gewusst, warum ich Wein mitbringe.

Vivi:

Vivi, bring uns den Wein.

(Vivi geht ab)

 

Elisheva:

Vivilein, es ist kein Salz auf dem Tisch.

 

Vivi: (von draussen)

Ich bringe welches.

 

Happy:

Und einen Flaschenöffner.

 

Vivi: (von draussen)

Ja.

 

Der Vater: (ruft ihr nach)

Mir fehlt ein Löffel.

 

Vivi: (von draussen)

Ich bringe dir einen.

 

Elisheva: (küsst Happy)

Gratuliere, Happy!

Happy:

Danke, vielen Dank.

(Vivi kommt aus der Küche, hat nur einen Schuh an)

 

Vivi:

Der Wein.

 

Happy:

Lass mich einschenken.

(alle trinken)

 

Elisheva:

Vivi, warum hast du nur einen Schuh an?

 

Vivi:

Oh weh…

(Alle blicken auf ihre Füsse)

 

Der Vater: (lachend)

Der andere ist weg.

 

Shmuel: (lachend)

Sie hat einen Schuh verloren.

 

Vivi:

Ich hatte es mit dem Kochen eilig, wahrscheinlich habe ich ihn dabei verloren.

Elisheva:

Die Suppe wird kalt.

(Vivi wendet sich um in die Küche zu gehen. Alle bis auf Vivi sitzen um den Tisch. Vivi wendet sich in Richtung Tür. Es läutet. Sie lächelt)

 

Vivi:

Herein!

(Alle blicken zu Vivi dann zur Tür. Eine Tür geht auf. Starkes Lich auf Vivis Gesicht. Licht aus)

 

Ende